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Chemiegeschäft 2016 wurde durch das Schlussquartal aufgehellt

Utz Tillmann zur wirtschaftlichen Lage der Branche - Chemiestandort Deutschland hat ein Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit           von Ralph Delhees

10.03.17 || altFRANKFURT (09. März 2017) - Das wenig dynamische Geschäftsjahr 2016 ist für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland mit einem versöhnlichen vierten Quartal zu Ende gegangen, dies konnte jetzt der Hauptgeschäftsführer des Verband der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann, berichten. Dabei hob er hervor, dass die Produktion von Chemikalien in Deutschlands drittgrößter Industrie gegenüber dem Vorquartal nahezu stabil blieb. „Der Branchenumsatz", so Tillmann, „stieg hingegen zum zweiten Mal in Folge, unter anderem weil sich Chemieprodukte aufgrund steigender Ölpreise weiter verteuerten. Wachstumsimpulse kamen vor allem aus dem Handel mit Asien und Nordamerika, während das Inlandsgeschäft insgesamt noch nicht in Schwung kam. In der Spezial- und Konsumchemie sowie bei Pharmazeutika setzte sich der Aufwärtstrend durch".

Ein Hoffnungsschimmer, der getrübt ist durch die undurchsichtige politische Zukunft was in den USA und Großbritannien, durch den Brexit, zu erwarten ist. Zur konjunkturellen Lage der Branche prophezeit der Hauptgeschäftsführer, dass sich die industrielle Nachfrage nach Chemikalien wenig dynamisch entwickeln wird und so das deutsche Chemiegeschäft einem langsamen Wachstum unterlegen ist.

Branche setzte 2016 rund 183 Milliarden Euro um


Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 1.700 deutschen Chemieunternehmen und deutscher Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2016 rund 183 Milliarden Euro um. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Chemie blieb im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal erneut stabil. Die Branche beschäftigt derzeit 446.000 Mitarbeiter und damit genauso viel wie ein Jahr zuvor.

Auf der Jahresbilanzpressekonferenz standen v.lks. VCI-Chefvolkswirt Dr. Henrik Meincke und VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann Rede und Antwort. Foto: Ralph Delhees

Der Umsatz der Branche verbesserte sich aufgrund der gestiegenen Preise im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 1,6 Prozent auf 43,1 Milliarden Euro. Sowohl das Inlands- als auch das Auslandsgeschäft konnten dabei zulegen, was auf den gestiegenen Ölpreis zurückzuführen ist. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Umsatz unverändert.

Der VCI geht für 2017 weiterhin von einem Anstieg der Chemieproduktion um 0,5 Prozent aus. Die Chemikalienpreise werden voraussichtlich 1 Prozent zulegen, wodurch der Branchenumsatz nach vorsichtiger Prognostizierung um 1,5 Prozent auf 185,7 Milliarden Euro steigt.

Die Chemieproduktion in Deutschland ist im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal leicht um 0,2 Prozent gesunken. Im Vergleich zum schwachen Vorjahresquartal stieg die Produktion um 1,4 Prozent. Die Kapazitätsauslastung der Branche lag bei 84,9 Prozent.

Die Preise für Chemikalien sind im vierten Quartal erneut gestiegen. Im Vergleich zum dritten Quartal verteuerten sich Chemieprodukte um 0,5 Prozent. Sie waren aber immer noch 0,7 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor.

Hohes Investitionspotential in den USA


Die USA sind wichtiger Handelspartner und Produktionsstandort für deutsche Chemie. 139 Tochter-Unternehmen deutscher Chemieunternehmen waren 2014 in den USA aktiv. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von rund 61 Milliarden Euro und beschäftigten 71.000 Mitarbeiter.

Deutsche Chemieunternehmen haben ihre Investitionen in neue Anlagen vor Ort in den vergangenen Jahren kräftig ausgeweitet. Aktuell investiert die Branche knapp 3,5 Milliarden Euro pro Jahr in den USA. Das ist die Hälfte dessen, was die Unternehmen in Deutschland investieren (2016: 7,1 Milliarden Euro).

Basischemie verlor an Boden


In seinem Schlusswort ging der Hauptgeschäftsführer des Verband der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann, auf das Wachstum und die künftige Entwicklung ein. „Seit fünf Jahren verweilt das Wachstum der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland nahe der Nulllinie. Die Chemieproduktion ist seit 2012 mit 1,1 Prozent pro Jahr gewachsen. Wenn man aber das Pharmageschäft heraus rechnet, war die Produktion in dieser Zeit um 0,4 Prozent jährlich rückläufig.

Die Entkopplung des Industriewachstums von der Chemieproduktion zeigt deutlich, dass der Chemiestandort Deutschland ein Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit hat.

Beim näheren Hinsehen haben wir zwei unterschiedliche Entwicklungen in der Branche. Während die forschungsintensive Spitzenchemie seit 2012 ihre Produktion um 7,6 Prozent steigern konnte, verlor die Basischemie an Boden".