Banner
 

RheinMainTaunus

OnlineMagazin

WirtschaftUnternehmen › Ein leichter Rückgang im Einzelhandel wird für 2009 erwartet

Ein leichter Rückgang im Einzelhandel wird für 2009 erwartet

"Wir haben uns mehr vom Konjunkturpaket der Bundesregierung versprochen"

03.02.09 || BERLIN (3. Februar 2009) - Zum Einzelhandelsumsatz 2009, zum Konjunkturpaket und zur Unternehmensteuerreform äußerte sich heute in Berlin auf der traditionellen Konjunktur-Pressekonferenz des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth - in Auszügen gibt die Redaktion des RheinMainTaunus-Onlinemagazin die Rede wieder:

Zweifellos wird 2009 ein schwieriges Jahr für den Einzelhandel. Die Wirtschaftskrise wird ihn treffen - aber wann, wie hart und wie lange ist ungewiss. Entscheidend wird die Entwicklung am Arbeitsmarkt sein. Erst einmal sind die Voraussetzungen für den Einzelhandel nicht schlecht: Die verfügbaren Einkommen werden 2009 angesichts steigender Löhne und monetärer Sozialleistungen trotz Beschäftigungsabbau steigen.

Die Sparquote wird nach unserer Einschätzung stagnieren, möglicherweise sogar leicht zurückgehen. Die Verbraucherpreise insgesamt werden voraussichtlich um etwa ein Prozent steigen. Die Einzelhandelspreise sehen wir in diesem Jahr im Durchschnitt bei unter ein Prozent. Gegenüber dem Vorjahr werden die privaten Konsumausgaben deshalb voraussichtlich sogar leicht steigen. Dies alles bestärkt uns in unserer Erwartung, dass der Einzelhandel im ersten Halbjahr 2009 das Vorjahresniveau halten kann.

Wie es in der zweiten Jahreshälfte weitergeht, hängt entscheidend vom Arbeitsmarkt ab. Kommt es zu einer deutlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit, wird dies den Konsum treffen. Für das zweite Halbjahr 2009 rechnen wir mit einer etwas schlechteren Umsatzentwicklung. Der Abwärtstrend könnte nicht so stark sein, wie viele vermuten, weil Unternehmen und Arbeitsmarkt heute besser aufgestellt sind als in der Rezession nach 2001. Deshalb dürfte sich der nominale Einzelhandelsumsatz 2009 insgesamt in einem Korridor von Null bis minus ein Prozent bewegen.

Für den Einzelhandel hätte dieses Jahr besser werden können. Wir haben uns mehr vom Konjunkturpaket der Bundesregierung versprochen. Zum einen fällt die Senkung der Steuer- und Abgabenlast für die Bürger viel zu gering aus, um eine echte Wirkung zu zeigen. Nur eine grundlegende Reform von Steuern und Abgaben, die den Verbrauchern mehr Netto vom Brutto belässt, und das langfristig und kalkulierbar, kann den Konsum nachhaltig stärken.

Das Konjunkturpaket hat auch unsere Hoffnung auf die dringend notwendige Reparaturarbeit an der Unternehmensteuer enttäuscht. Denn deren Reform stellt den Handel vor gravierende Probleme. Das wird sich besonders in diesem schwierigen Jahr zeigen. Der Gewerbesteueranstieg wird es vielen Händlern fast unmöglich machen, dem Sog der Krise zu widerstehen. Das zeigt die Studie, die der HDE gemeinsam mit PriceWaterhouseCoopers erstellt hat.

Von den befragten Handelsunternehmen werden 77 Prozent durch die Unternehmensteuerreform schlechter gestellt. Es ist vor allem die deutlich verbreiterte Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer, die Handelsunternehmen in einem Ausmaß trifft, das durch Entlastungen an anderer Stelle nicht kompensiert wird. In Einzelfällen liegt sogar Substanzbesteuerung vor. Wir fordern nachdrücklich, den Finanzierungsanteil für Immobilienmieten so schnell wie möglich von 65 auf 25 Prozent abzusenken. (hdi)