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Kleiner Ball, großer Zauber

In Frankfurt wird in der Halle erfolgreich die Trendsportart Futsal gespielt

12.02.09 || FRANKFURT (12. Februar 2009) - In anderen Ländern bereits Volkssport, ist die Sportart Futsal hierzulande noch weitestgehend unbekannt. Einer der Pioniere dieses technisch versierten Hallenfußballs, der mit deutlich weniger Körpereinsatz gespielt wird, kommt aus Frankfurt. Das von ihm bei der Eintracht aufgebaute Team zählt bis heute zu den stärksten in Deutschland.

Samstagnachmittag, 31. Januar, 15.30 Uhr: Die Fußballprofis von Eintracht Frankfurt betreten vor mehr als 40.000 Zuschauern den Rasen des Olympiastadions in Berlin zum Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC. Gleiches Datum, gleiche Uhrzeit: In der Frankfurter Nordweststadt kicken ebenfalls Jungs im Eintracht-Trikot. Dies ist aber wohl auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Denn statt 40.000 Zuschauern sind es zirka 40, die in der in die Jahre gekommenen Turnhalle der Ernst-Reuter-Schule spielen, der Gegner kommt vom TV Schweinheim, statt aus der Hauptstadt, und auch der Ball ist anders. Die jeweils nur fünf Spieler der beiden Mannschaften kicken nämlich mit einem deutlich kleineren Lederball, der zudem gegenüber einem herkömmlichen Spielgerät sprungreduziert ist. Und weil alles so anders ist, wird hier auch nicht Fußball gespielt, sondern Futsal.

Volkssport in Südamerika


Futsal leitet sich vom portugiesischen Ausdruck "futebol de salao" ab und ist die offizielle Hallenfußballvariante des Fußball-Weltverbandes FIFA. In Südeuropa und vielen lateinamerikanischen Ländern begeistert Futsal seit Jahren die Massen, in Spanien gibt es gar eine eigene Profiliga. Davon ist der Sport in Deutschland noch sehr weit entfernt. Erst vor wenigen Jahren wurden zumindest in einigen Landesverbänden die ersten regionalen Ligen ins Leben gerufen. Eine offizielle Erhebung der Futsal-Aktiven existiert derzeit nicht, als Richtgröße schätzt der Deutsche Fußball-Bund (DFB), dass es derzeit rund 500 offizielle Futsal-Teams gibt - im Fußball sind es zirka 170.000.

Frankfurter Futsal-Pionier


Als einer der wichtigsten Futsal-Pioniere gilt hierzulande übrigens ein Frankfurter. Horst Schumacher kommt eigentlich vom klassischen Fußball. Auf Reisen nach Südamerika und Asien wurde der 41-Jährige allerdings vom Futsal-Fieber erfasst. 2001, gerade zurück aus Thailand, gründete er mit einigen Freunden und Bekannten das wohl erste - wenn auch noch inoffizielle - Futsal-Team in Deutschland. "Der Start war alles andere als einfach. Die Sportart war fast gänzlich unbekannt, und auch der DFB hatte an dem Trendsport in der Anfangszeit wenig Interesse", erzählt Schumacher. Daher suchte sich der Frankfurter seinen eigenen Weg, um die Sportart voranzubringen und gründete ein Futsal-Portal im Internet. "Auf diese Weise gelang es mir und meinen Mitstreitern, neue Spieler für Futsal zu gewinnen und untereinander zu kommunizieren.

Bis zum Anschluss an einen richtigen Verein sollte es allerdings noch ein paar Jahre dauern. 2005 war es dann soweit. Schumacher überzeugte den Fußballabteilungsleiter bei der Eintracht, Futsal am Riederwald zu integrieren. Den Trainerposten übernahm Schumacher gleich selbst und baute ein Team auf, das bis heute zu den stärksten in Deutschland gehört. Seinen Spielern bescheinigt der ehrgeizige Coach "mindestens Verbandsliganiveau", sogar ein ehemaliger spanischer Profi stürmt mittlerweile für das Futsal-Team der Eintracht.

Weniger Kampf, mehr Technik


Bei den anderen Mannschaften, die sich Ende Januar in der Ernst-Reuter-Schule zum letzten Spieltag der Hessenliga trafen, geht es meist weniger ehrgeizig zu. Tobias Zorn vom SV Schierstein 1913 ist vor drei Jahren zum Futsal gekommen. "Die Sportart ist technisch anspruchsvoller und wird mit deutlich weniger Körpereinsatz gespielt als im Fußball, was mir als Offensivspieler sehr entgegenkommt", erzählt der 29-Jährige.

In der Tat ist die Abwehrgrätsche, mit der beim Fußball manch hoffnungsvoller Angriff gestoppt wird, im Futsal streng verboten. Und auch sonst sind einige Besonderheiten im Vergleich zum Kick auf dem grünen Rasen zu beachten. Gespielt werden zweimal zwanzig Minuten. Ähnlich wie im Basketball gibt es Mannschaftsstrafen, das heißt jedes sechste Foul eines Teams wird mit einem Strafstoß geahndet. Zudem wird deutlich mehr Wert auf Technik als auf Kampf gelegt und so ist an diesem Nachmittag in der Ernst-Reuter-Schule das eine oder andere Kabinettstückchen zu bestaunen.

Ausbaupotenzial ist vorhanden


In der hessischen Liga spielen derzeit übrigens acht Mannschaften - Ausbaupotenzial dürfte also durchaus noch vorhanden sein. Dies sieht auch Alexander Eberlein von America Latina Frankfurt so: "Viele Freunde, die ich zum Futsal mitgenommen habe, sind schnell davon begeistert. Ich bin optimistisch, dass in Zukunft noch mehr Mannschaften und Ligen gegründet werden können". Dies hofft auch Richard Storck als Vertreter des Hessischen Fußball-Verbands (HFV). Er sitzt an diesem Mittag ebenfalls in der Halle der Ernst-Reuter-Schule, um Eintracht Frankfurt als neuen hessischen Futsal-Meister der Saison 2008/09 zu ehren. "Der HFV arbeitet kontinuierlich an der Förderung des Futsal-Sports.

Es gibt bereits eigene Turniere für Jugendmannschaften, und auch über eine Zusammenarbeit mit den Schulen versuchen wir, die Weiterentwicklung der Sportart zu forcieren", so Storck. Auch der DFB selbst hat den kleinen Lederball mehr und mehr im Blick und arbeitet derzeit an der Ausarbeitung eines bundesweiten Fut-sal-Konzepts. Bis es in Deutschland eine Profiliga gibt und Horst Schumacher mit seinen Jungs nicht mehr gegen Schweinheim, sondern die Hertha aus Berlin spielt, dürfte es allerdings noch einige Jahre dauern.
(Michael Weilguny/pia)