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Hilmar Hoffmann begeht heute seinen 90. Geburtstag - Sein Name ist aus Frankfurt nicht wegzudenken

‚Kultur für alle‘ ist sein Lebensmotto - Nicht nur die Stadt am Main hat dem Bremer Kaufmannsohn viel zu verdanken           von Ralph Delhees und Nicole Unruh*

25.08.15 || FRANKFURT (25. August 2015) -Den sogenannten „großen Bahnhof" gab es heute im Kaisersaal des Frankfurter Römers, für den früheren Frankfurter Kulturdezenenten Hilmar Hoffmann der seinen 90. Geburtstag beging. Aus diesem Anlass hatte Oberbürgermeister Peter Feldmann zu einem Empfang geladen an dem rund 300 teilnahmen. Gekommen waren viele Freunde und Weggefährten, Künstler, Museumsdirektoren, Politiker, Banker sowie der Bundestagspräsident Norbert Lammert, der als Laudator und Wegbegleiter gekommen war. Mit stehenden Ovationen wurde Hilmar Hoffmann, der von 1970 bis 1990 Frankfurts Kulturdezernent und von 1993 bis 2001 Präsident des Goethe-Instituts war, empfangen, als ihn Oberbürgermeister Peter Feldmann im Rollstuhl in den Kaisersaal hineinfuhr.

Feldmann fordert als Kulturpolitiker das "Museum für Weltkulturen"


Lachend und winkend dankte der ehemalige Kulturdezernent, dem seit einigen Jahren das Gehen schwerfällt, den zu seinen Ehren gekommenen zu, bis der OB ihn in der ersten Reihe platziert hatte. „Deine Kulturpolitik hat das Bundesland Hessen und die Bundesrepublik geprägt“ war einer der Kernsätze die Oberbürgermeister Feldmann in seiner Ansprache nach einer der Begrüßung der Gäste – unter denen u.a. der Präsident des Goethe-Instituts Dr. Lehmann, der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), die Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, der ehemalige Sprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, der Fraktionsvorsitzende der SPD im hessischen Landtag Torsten Schäfer- Gümpel waren. Besonders lobte er den Sozialdemokraten, der am täglichen Geschehen teilnimmt und weiterhin viele Ideen hat und der trotz seiner hohen Alters heute noch jeden Tag am Schreibtisch sitzt und während seines bisherigen Rentnerdaseins jedes Jahr ein Buch herausgebracht hat. Obwohl Hilmar Hoffmann 1990 sein Amt in Frankfurt niederlegte „spricht heuet noch, wenn es um Kultur geht alle Welt von Dir“, so der OB. Auch auf das Hoffmann‘sche Postulat „Kultur für alle“ ging er ein und dabei entpuppte sich Peter Feldmann als Kulturpolitiker, der den großen Wunsch Hilmar Hoffmans nach einem „Museum der Weltkulturen“ mehrmals hervorhob und die Politiker der Stadt quasi zu einem baldigen Beschluss animierte. „Starke Kräfte", so Feldmann, „ziehen dauernd daran dem Kulturdezernenten die Gelder zu nehmen". Dabei forderte er eine kulturpolitische Agenda, „Kultur von und für die Bürger der Stadt und in deren Wissen, es ist ihre Stadt und zu ihr zählen Bürger aus 185 Nationen".

Lammert: „Kulturdezernent mit der nachhaltigsten Wirkung"


Die Liebe zum Ruhrgebiet hob Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert als Laudator hervor, die ihn mit Hilmar Hoffmann verbinde, daneben bemerkte er, dass sie sich aus der gemeinamen Arbeit beim Goethe-Institut kennen. In seiner Laudatio streifte Lammert die Lebensstationen und die verschiedenen politischen Staatsformen in denen der Jubilar aufwuchs bis hin zur heutigen Gesellschaftsform. Hoffmann bescheinigte Norbert Lammert eine gewisse kernige Gradlinigkeit und attestierte ihm, dass er in Deutschland sicherlich der Kulturdezernent mit der nachhaltigsten Wirkung sei und dafür und dem Lebenswerk gebühre höchster Respekt.
Herder und Goethe hatte der Bundestagspräsident mit in seiner Rede und er zitierte den Schriftsteller Robert Musil: Der Staat hat zur Kunst nur ein einziges Verhältnis zu haben, dass er Einrichtungen schafft, die sie garantieren". „Sie, Herr Hoffmann, haben das Geld nicht in Events, sondern in Strukturen gesteckt und so dauerhaftes geschaffen". Und noch einen speziellen Part des früheren Kulturdezernenten sprach er an, dass er als Sozialdemokrat über alle Parteigrenzen hinaus geachtet und immer ein angenehmer Gesprächspartner war. Dies verhalf Hilmar Hoffmann auch „Koalitionspartner dort zu finden, wo man sie findet" und dies habe zu der Verwirklichung des Museumsufers und der Schaffung der Museen geführt. Mit einem Seitenschlag auf die Deutsche Bank, der er allerdings mit Namen nicht nannte sprach Lammert, das „ein namhaftes deutsches Kreditinstitut in der Vergangenheit das Siebenfache des Betrages an Strafzahlungen leisten musste, was für das Museumsufer in Frankfurt investiert worden ist". Abschließend dankte Bundestagspräsident Lammert Hoffmann dafür, dass er „den Kulturstaat Deutschland gefestigt und weiterentwickelt" habe.

Drei DIN A4 Blätter zog Stadtrat a.D. Prof. Dr. h.c. Hilmar Hofmann aus seinem Jackett hervor als er im Rollstuhl von Oberbürgermeister Peter Feldmann an den großen Tisch mit der Tischlampe gefahren wurde. Von hieraus dankte Hilmar Hoffmann dem OB und „seinem Freund" Norbert Lammert für die guten Reden. Auch „allen Freunden und Sympathisanten" dankte er für die „Rückendeckung in schwierigen Stunden". Für ihn war dies in schwierigen Stunden ein empathisches Wohlwollen und das eigentliche Lebenselixier, dass ihn immer wieder vorantrieb.

Abschließend betonte er in einem kurzen Rückblick auf sein Leben, dass er als Kulturdezernent in Oberhausen wie in Frankfurt, versucht habe, sein Postulat von der Kultur für alle „in die Wirklichkeit zu übertragen", bei der die Kultur der wenigen zu einer Kultur der vielen zu übertragen sei. Dank richtete er nochmals an die Frankfurter Stadtverordneten und alle ehemaligen Mitstreiter, die durch ihr beispielhaftes Engagement mitgeholfen haben die Alte Oper und das Museumsufer zu verwirklichen. „ Doch eines fehle noch, der Schlussstein", - sekundenlange Pause -, „eben das Museum für Weltkulturen".

Langanhaltender stehender Beifall der rund 300 Gäste und dann begann die endlose Gratulationskur.

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Der Vater des Museumsufers und von 15 Museen hat den Begriff "Kultur für alle" geprägt


Er schuf das Museumsufer in Frankfurt, begründete das kommunale Kino in Deutschland und prägte den Begriff „Kultur für alle". Hilmar Hoffmann, von 1970 bis 1990 Frankfurts Kulturdezernent und von 1993 bis 2001 Präsident des Goethe-Instituts ist auch heute noch sehr umtriebig, er schreibt gerade an seinem 51. Buch. Am 25. August wird der „Kulturpapst" vom Main 90 Jahre alt. Oberbürgermeister Peter Feldmann lädt aus diesem Anlass im Namen der Stadt zu einem Empfang im Römer mit rund 400 geladenen Gästen ein. Die Laudatio hält Bundestagspräsident Norbert Lammert, ein guter Bekannter Hoffmanns.

Am Haus von Hilmar Hoffmann, das idyllisch am Waldrand in Oberrad liegt, scheint der Römer weit weg. „Die gute Luft hier hält mich fit", berichtet er. Auch im vermeintlichen Ruhestand sitzt der Autor täglich mehrere Stunden am Schreibtisch, umgeben von 15.000 Büchern, und arbeitet an einem neuen Werk - wenn nicht gerade das Telefon klingelt. Die Redaktion von „Titel, Thesen, Temperamente" möchte einen Beitrag zum 90. Geburtstag drehen, ein Freund erkundigt sich nach Hoffmanns Kur-Aufenthalt in Bayern, neue Leiter von Kultureinrichtungen in Frankfurt bitten um einen Termin für einen Antrittsbesuch. Außerdem liest Hoffmann jeden Tag drei Frankfurter Zeitungen, „um auf dem Laufenden zu bleiben".

Beat-Konzerte lockten Bergarbeiter ins Theater


Als Hoffmann 1970 in die Großstadt am Main kam, hatte er sich bereits in Oberhausen um die (Breiten-)Kultur verdient gemacht. Im Alter von 26 Jahren wurde der 1925 in Bremen geborene Kaufmannssohn dort der jüngste Direktor einer Volkshochschule - und bot ausdrücklich Kurse für Menschen ohne Abitur an. 1954 gründete er die Westdeutschen Kulturfilmtage, aus denen die berühmten Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen hervorgingen, und von 1965 bis 1970 war er Kultur- und Sozialdezernent der Stadt. In dieser Zeit entstand Hoffmanns Konzept einer „Kultur für alle", das er seitdem verfolgte: Der SPD-Politiker schloss die schlecht besuchte Oper Oberhausens und steckte das Geld lieber ins Schauspiel. Er initiierte Aufführungen speziell für Menschen, die sonst nicht ins Theater gehen, und lockte die Bergarbeiter zu Uraufführungen von Peter Handkes Beat-Theater, die mit einem Konzert endeten.

„Sie können Kulturpolitik nur für die Gesamtheit der Bevölkerung machen", unterstreicht Hoffmann. „Schließlich tragen auch alle Menschen mit ihren Steuern zu den kulturellen Institutionen bei." Und die kulturelle Bildung gehöre zur „Ich-Werdung" des Menschen schlichtweg dazu, davon ist er überzeugt: „Schon Friedrich Schiller hat geschrieben, dass ein tabellarischer Verstand und mechanische Fertigkeiten nicht ausreichen, um ein ganzer Mensch zu werden."

Vereinte Tatkraft für die Museen - über Parteibücher hinweg


In Frankfurt setzte sich Hoffmann für eine „Demokratisierung der Kultur" ein. Von Anfang an galt sein Augenmerk den Museen, die damals am Main - anders als in Köln, das ebenfalls um den Politiker geworben hatte - kaum vorhanden waren. Bis 1990 initiierte der Kulturdezernent den Bau der Schirn und des Museums für Moderne Kunst, und er konzipierte Ausstellungshäuser zu damals völlig neuen Themenbereichen wie Architektur und Film, Jüdische Geschichte und Kommunikation. Für jedes ausgeschriebene Projekt fanden sich namhafte Architekten wie Richard Meier oder Oswald Mathias Ungers, deren Bauten die Stadt bis heute prägen. Für jede fertige Einrichtung stellte Hoffmann einen Pädagogen ein, der Kontakt zu den Schulen aufnahm. Elf Prozent vom Gesamthaushalt brachte Frankfurt damals für die Kultur auf, mehr als jede andere deutsche Großstadt. Heute sind es zehn Prozent.

Unterstützung für das „Jahrhundertprojekt" Museumsufer (F.A.Z.) fand Hoffmann nicht nur beim damaligen CDU-Oberbürgermeister Walter Wallmann. Bis heute zählen der frühere Stadtkämmerer Ernst Gerhardt (CDU) und der damalige Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf (SPD) zu seinen Weggefährten. „Wenn der Magistrat am Abend entschieden hatte, dass wieder ein neues Museum gebaut wird, ließ Herr Haverkampf am nächsten Morgen um sechs Uhr die Bagger anrollen", charakterisiert Hoffmann schmunzelnd die gute Zusammenarbeit im Magistrat. Die jeweiligen Parteibücher spielten in dieser „Gründerzeit" keine Rolle.

Stadtteile erhielten Bürgerhäuser und Bibliotheken


Um die Breitenkultur auch in den Stadtteilen voranzutreiben, ließ Hoffmann zwölf Bürgerhäuser errichten, auf deren Bühnen sich unter anderem ausländische Kulturvereine präsentieren konnten. Er schuf 14 Stadtteilbibliotheken mit mehrsprachigen Angeboten und rief Kulturfeste in den einzelnen Vierteln ins Leben. „Kultur stellt Nachbarschaft her - das habe ich damals in Oberhausen kennengelernt." Hoffmann etablierte den Mousonturm und errichtete in Frankfurt schon 1971 das bundesweit erste Kommunale Kino, das mittlerweile rund 150 Nachfolger gefunden hat. Das Filmmuseum mit dem Deutschen Filminstitut, in dessen Verwaltungsrat der Kulturpolitiker bis vor zwei Jahren Vorsitzender war, ist bis heute sein liebster Ort am Main.

Kürzlich besuchte Hoffmann auch das MMK Museum für Moderne Kunst: Der Verleger und Kunstmäzen Frieder Burda hatte ein Portrait des Kulturpolitikers von dem Maler Gerhard Richter gekauft und es seinem Freund Hoffmann geschenkt. Das Werk hängt nun als Leihgabe im Gerhard-Richter-Zimmer des MMK. „Eigentlich wollte ich ja nicht schon zu Lebzeiten aufgehangen werden", sagt Hoffmann und lacht. Entstanden ist das Bild Ende der 1980er-Jahre, als Kasper König neuer Leiter der Frankfurter Städelschule werden sollte. Seine Bedingung: Gerhard Richter und der Bildhauer Ulrich Rückriem sollten dort eine Professur bekommen. Hoffmann telefonierte und hatte die zuvor unbekannten Konditionen innerhalb von 20 Minuten politisch durchgesetzt. Diese Tatkraft beeindruckte Richter derart, dass er Hoffmann auf der Leinwand verewigte.

Neues Werk reflektiert die Jugendjahre


Nach 20 Jahren im Frankfurter Magistrat gründete und leitete Hoffmann die „Stiftung Lesen" in Mainz, bevor er Präsident des Goethe-Instituts in München wurde. Um sich für dessen Anliegen in aller Welt einzusetzen, flog Hoffmann mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl „etwa sieben Mal um die Erde". Als seine wichtigste Amtshandlung nennt er die Eröffnung eines Goethe-Instituts in Ramallah/Palästina, über die Hoffmann mit Israels Ministerpräsident Jitzchak Rabin ebenso verhandelt hatte wie mit Palästinenserführer Jassir Arafat.

Seit seinem Rückzug aus dem aktiven Kulturdienst 2003 schreibt Hilmar Hoffmann nun „jedes Jahr ein Buch": über Frankfurt und seine Menschen, über das „Lebensprinzip Kultur" und das Museumsufer. Sein neues Werk wird die Kinder- und Jugendjahre in der NS-Zeit reflektieren: „Schließlich bin ich einer der letzten Zeitzeugen." Hoffmann schreibt stets von Hand, eine Sekretärin tippt die oft Hunderte von Seiten umfassenden Manuskripte dann ins Reine.

Zu seinem 90. Geburtstag am 25. August reisen auch Hoffmanns zwei Kinder mit insgesamt sechs Enkeln an. Wenn er sich von der Stadt Frankfurt etwas zu seinem Ehrentag wünschen dürfte, dann wäre es ein neues Domizil für das Museum der Weltkulturen. „Ansonsten freue ich mich einfach jeden Tag darüber, dass ich noch da bin."

* Den aktuellen Vorspann hat Ralph Delhees aus aktuellem Anlass verfasst. Nicole Unruh hat den anschliessenden Beitrag für das Presse und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main verfasst, den wir mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen.