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Gustav Philipp Körner ein Demokrat durch und durch

Stadtkämmerer Uwe Becker: „Dieser Frankfurter hat viel bewegt ..." - Erinnerung wahren durch die Schaffung einer Gedenktafel

20.02.14 || altFRANKFURT (19. Februar 2014) - Im Rahmen der Intensivierung der Deutsch-Amerikanischen Beziehungen, insbesondere auch zur weiteren Stärkung der Freundschaft Frankfurts zu den Vereinigten Staaten, hat sich Stadtkämmerer Uwe Becker ham Dienstag, 18. Februar, dafür ausgesprochen, den bisher weitgehend in Frankfurt unbeachteten Gustav Philipp Körner (1809-1896) stärker in das Bewusstsein der Menschen seiner Heimatstadt zu bringen. „Dieser Frankfurter hat viel bewegt - hier und in den Vereinigten Staaten -, daher sollte die Erinnerung an ihn bewahrt werden", sagt Stadtkämmerer Uwe Becker.

altGustav Körner als frisch Vermählter auf einem Gemälde aus dem Jahr 1836.

Körner, der vor nunmehr 205 Jahren, am 20. November 1809, als Sohn eines Frankfurter Verlegers, Kunst- und Buchhändlers in Frankfurt geboren wurde, studierte ab 1828 Rechtswissenschaften in Jena und München, promovierte 1832 in Heidelberg zum Doktor der Rechte und war in München an den dortigen Studentenunruhen beteiligt. Im Mai 1832 nahm Körner am Hambacher Fest teil, das von den Forderungen nach staatlicher Einheit, Freiheit und Volkssouveränität des Vormärz geprägt war.

altSteckbrief für Gustav Peter Philipp Körner, ausgestellt vom Peinlichen Verhör-Amt. Fotos: wikipedia

Beim Frankfurter Wachensturm am 3. April 1833 sollte der von Deutschen Fürsten regierte Deutsche Bund durch einen Aufstand in eine Deutsche Republik umgewandelt werden. Frankfurt war Tagungsort der Gesandten des Deutschen Bundes und Körner musste nach dem Scheitern des Umsturzversuches fliehen und ging in Le Havre an Bord eines Schiffes in die Vereinigten Staaten.

Nachdem er in Amerika (St. Louis, Missouri) angekommen war, missfiel ihm die dortige Sklaverei und er zog weiter nach Illinois. Von dort aus veröffentlichte er in Schriften sein Bild Amerikas. Körner war bemüht, sich schnell zu integrieren, lernte Englisch und setzte seine Studien in Kentucky fort. 1838 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. „Körner wollte das Amerikabild der Deutschen korrigieren und hat beide Länder durch diverse Publikationen miteinander verbunden", betont Stadtkämmerer Uwe Becker. Körner brachte unter anderem die erste deutschsprachige Zeitung in Illinois heraus und unterstützte das Projekt einer „nordamerikanischen Zeitung für Deutschland", die mit Vorurteilen aufräumen sollte.

Körner engagierte sich auch in Amerika politisch, wurde Zeitungsmacher in Belleville und unterstützte zunächst die Demokratische Partei, in der er selbst hohe Ämter einnahm. Er wurde Mitglied des Repräsentantenhauses in Illinois und Richter am Obersten Gericht des Staates. Als ihn 1848 die Nachricht von der Revolution in Deutschland erreichte, erwog er, in Frankfurt den Weg zur Paulskirchen-Verfassung mitzuerleben, jedoch riet ihm seine Familie davon ab. Körner blieb in Amerika und war von 1853 bis 1857 Vizegouverneur von Illinois. In den 1850er Jahren wandte sich Körner wegen der Haltung der Demokraten zur Sklaverei von diesen ab und wurde einer der Mitbegründer der Republikanischen Partei.

1858 war Körner Präsident der Wahlversammlung, die Abraham Lincoln als Kandidaten für den US-Senat nominierte. Und er gehörte mit zu jenen Politikern, die Lincoln hinter den Kulissen großer Parteitage zum Präsidentschaftskandidaten machten. Als Bindeglied zur wichtigen Gruppe der Deutschamerikaner war er Lincolns Berater und verhalf ihm somit zur Präsidentschaft, die mit der Amtseinführung am 4. März 1861 begann.

Körner wurde 1862 Nachfolger von Carl Schurz als Botschafter in Spanien. Ende 1864 verließ er den Diplomatischen Dienst und kehrte nach Amerika zurück, wo er am 5. Mai 1865 einer von zwölf Sargträgern des ermordeten Präsidenten Abraham Lincoln war. Der Deutschamerikaner stattete seiner Heimatstadt Frankfurt immer wieder Besuche ab, doch ist er in dieser mittlerweile in Vergessenheit geraten. „Das sollten wir ändern. Vielleicht könnte man anlässlich seines 205. Geburtstages am 20. November 2014 eine Gedenktafel an geeigneter Stelle anbringen", regt Stadtkämmerer Uwe Becker an. (pia)