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Bernd Moos-Achenbach wird heute 60 Jahre

Die Familie als Anker, den Radsport als Abenteuer, die Achenbach Delikatessen Manufaktur als Berufung

18.09.12 || altFRANKFURT/SULZBACH (17. September 2012) - Wenn Bernd Moos-Achenbach nicht so viel Ausdauer hätte, würde es den Radklassiker „Rund um den Finanzplatzplatz Eschborn-Frankfurt" nicht mehr geben. Als die Krise der Radsportelite auf ihren Höhepunkt zutrieb, wirkte sich dies auch auf die Veranstalter in ganz Deutschland aus. Moos-Achenbach, der von seinem Vater Hermann Moos und seinem Onkel Erwin den von ihnen vor über fünfzig Jahren ins Leben gerufenen Klassiker „übernommen" hatte, startete eine jahrelange Sponsorenoffensive, um das Geld für den Wettbewerb mit den vielen Jugend-, Jedermann- und Skaterrennen zusammenzu¬bekommen. Dass es noch immer am 1. Mai im Rhein-Main-Gebiet ein Radsportfest für alle Bürgerinnen und Bürger gibt, ist den Städten Eschborn und Frankfurt am Main zu verdanken, welche die Bitten Moos-Achenbachs erhörten. Am 18. September 2012 feiert Moos-Achenbach seinen 60. Geburtstag. Ans Aufhören ins Sachen Radsport denkt er zum Glück noch lange nicht, obwohl die Veranstaltung ein finanzielles Abenteuer ist und wohl auch bleiben wird.

altDas T-Shirt zum Radrennen "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt " präsentiert auf unserem Bild Bernd Moos-Achenbach (rechts) zusammen mit Eschborns Erstem Stadtrat Matthias Geiger, Foto: Delhees

Da gab es keine Diskussion in der Familie: Wenn Hermann Moos seinen Bruder Erwin zu einem Radrennen begleitete, war die junge Familie mit Ehefrau Agnes und den Söhnen Erwin und Bernd dabei. Hinten auf dem Bänkchen des Lautsprecherwagens hat Bernd gesessen und ist das erste Mal "Rund um den Henninger-Turm" mitgefahren. Ab seinem 18. Geburtstag und dem Bestehen der Führerschein¬prüfung durfte er dann Kommissäre oder Pressevertreter durch den Taunus chauffieren. Später zeigte er den Profis im Führungsfahrzeug, wo es lang ging. "Nur zweimal war ich nicht dabei. Damals hielt ich mich zu meiner Ausbildung in England und Frankreich auf", erinnert sich Moos-Achenbach.

Erwin Moos starb im Herbst 2002 nach einer schweren Krankheit. Der Neffe trat seine Nachfolge an.
"Es war der Wunsch meines Bruder, dass Bernd Teilhaber und Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des Radsports wird, die formal Veranstalter des Radklassikers ist", erklärte damals Hermann Moos, der Grandseigneur des deutschen Radsports. Was keiner erwartet hat: Vater Hermann überließ dem Sohn großzügig den größten Teil der Tagesarbeit. "Ich vertraue seinen Fähigkeiten", sagte Hermann Moos mit Stolz. "Ich weiß, dass Bernd ein unglaublicher Arbeiter ist. Ihm ist nichts zu viel." 2005 musste er dann die Verantwortung für das Rennen allein tragen. Sein Vater war im November 2004 verstorben. "Zum Glück hat meine Frau Verständnis für mein Hobby. Meine drei Töchter Katrin, Sandra und Julia helfen sogar mit", sagt er. Die Familie ist sein Anker.

altBernd Moos-Achenbach mit Kai Hundertmarck, dem Sieger des Eschborn-Frankfurter Radklassikers im Jahr 2000. Fotos (2): am/ammedien

Moos-Achenbach ist gelernter Koch. 1976 legte er die Prüfung zum jüngsten Küchenmeister in Deutschland ab. Es folgten Jahre der Wanderschaft, in denen er in namhaften Häusern im In- und Ausland die Kunst des Kochens verfeinerte. Nach der Hochzeit mit seiner Frau Petra trat er in die Geschäftsleitung der Achenbach Delikatessen Manufaktur ein, einem Haus, das inzwischen
90 Mitarbeiter beschäftigt und Food-Spezialitäten für Gastronomie, Hotellerie, Gemeinschaftsverpflegung, Event- und Travel Catering entwickelt, produziert und direkt vertreibt.

Alles, was Moos-Achenbach anpackt, macht die Frohnatur in bester Laune. Legendär sind die Sitzungen des Rad-Organisationskomitees, das regelmäßig tagt und in dem noch einige andere temperamentvolle Persönlichkeiten wie Kirsten Fischer von der Werbeagentur macona, die Radprojektleiter Michael Laabs und Laura Lange, Streckenchef Rolf Heine und Pressesprecherin Angelika Müller sitzen. Da geht es manchmal heiß her, wenn neue Ideen präsentiert und diskutiert werden. Moos-Achenbach, der Teamworker, folgt allen Argumenten und meistens findet sich ein Konsens. Wenn nicht, dann „darf" der Chef entscheiden, und alle tragen den Entschluss mit.

In den acht Jahren unter seiner Führung hat sich der Radklassiker „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" rasant entwickelt: Inzwischen gibt es bei der Velotour, dem Jedermannrennen, drei Strecken im Angebot, die Teilnehmer der erst seit fünf Jahren installierten Rhein-Main Skate-Challenge dürfen ebenfalls unter drei Distanzen wählen, dazu werden neun Jugend- und Juniorenrennen von den Erstklässlern bis zur U23 angeboten. Höhepunkt ist der internationale Elitewettbewerb mit Spitzenfahrern wie Toni Martin, John Degenkolb oder Moreno Moser, der zuletzt gewonnen hat. Dem Profirennen eilt der Ruf voraus, das schwerste Eintagesrennen in Deutschland zu sein. Exoten wie Tretrollerfahrer, Tandemteams oder Handbiker sind aber ebenfalls willkommen. 16 oder noch mehr Rennen an einem Tag zu organisieren, das bürdet sich weltweit kein anderer Veranstalter auf.

Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt ist so groß, das es zwei Radrennzentren braucht. Eines ist in Eschborn, das zweite an der Alten Oper in Frankfurt. Auf bunten Radjahrmärkten - neudeutsch Expos genannt - können sich die Radsportfans unterhalten und den Nachwuchs oder ihre Idole anfeuern. Die 200 Kilometer lange Strecke säumen bei gutem Wetter eine Million Zuschauer. Damit ist „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt", nach Zuschauern gezählt, im Sport der größte Eintageswettbewerb in Deutschland. Mit dem Zeitgeist gehen, eine Sportveranstaltung mit Eventcharakter zu entwickeln, modern zu sein und Qualität zu bieten, das ist dank der kontinuierlichen Bemühungen von Moos-Achenbach und seinem Team gelungen.

Eine große Herausforderung bestand zuletzt in der Bewältigung der gewachsenen behördlichen Vorgaben. Während man früher noch eine Ampel ausschalten konnte, indem man - bildlich gesprochen - einen Sack über sie stülpte, muss man nun für umfangreiche Sperrungen, Umleitungen, Genehmigungen und Sicherheitspersonal sorgen, was wiederum höhere Kosten verursacht. Nicht zuletzt wird die Rekrutierung von ehrenamtlichen Helfern immer schwieriger. Sie für den Einsatz im Sport zu motivieren, dürfte in Zukunft nicht einfacher werden.

Das liebste „private" Hobby von Moos-Achenbach ist übrigens die Jagd. Als gestandener Jäger ist er das ganze Jahr über mit Rauhaardackel Emmi im Sulzbacher Raum unterwegs. Dann macht er es sich mit einer Kanne Tee auf einem der Hochsitze bequem. Er schießt, was die Quote vorgibt: Rehwild, Wildschweine oder Füchse.

Feiern wird Moos-Achenbach nicht: „Es hat bei meinem dreißigsten, vierzigsten und fünfzigsten Geburtstag nicht geklappt, da haben sich meine Frau und ich gedacht, gönnen wir uns doch lieber ein paar schöne Tage Urlaub." (Angelika Müller/amuemedien)