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Oberbürgermeisterin Petra Roth 15 Jahre im Chefsessel des Römer

Von der ‚Miss Stadtverordnetenversammlung' zur Oberbürgermeisterin" - Längstes Frankfurter Stadtoberhaupt seit nach 1945

07.07.10 || FRANKFURT (07- JUli 2010) - Es war eine Sensation: Am 25. Juni 1995 fand die erste Oberbürgermeister-Direktwahl in Frankfurt am Main statt, und bereits im ersten Wahlgang schaffte die CDU-Kandidatin gegen das etablierte Stadtoberhaupt mit 51,9 Prozent aller abgegebenen Stimmen den Sprung an die Spitze. Die feierliche Amtseinführung im Rathaus Römer, bei der Petra Roth erstmals die kostbare Amtskette als Zeichen ihrer neuen Würde anlegte, erfolgte dann am 5. Juli. „Von der ‚Miss Stadtverordnetenversammlung' zur Oberbürgermeisterin" titelte damals eine Frankfurter Tageszeitung und bescheinigte dem frisch gekürten Stadtoberhaupt zwar durchaus weibliche Ausstrahlung, aber zugleich die nüchterne Selbsterkenntnis, dass Politik in erster Linie „harte Arbeit, umfassende Kenntnisse und Führungskraft" bedeutet.

Diese Erfahrung hatte sie bereits in der Kommunal- und Landespolitik machen. Im März 1977 wurde sie in die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung gewählt, als Walter Wallmann Oberbürgermeister wurde. Er, wie auch der langjährige Stadtkämmerer Ernst Gerhardt zählten zu den Förderern der jungen Parteikollegin, die sich besonders für die Themen Wohnungsbaupolitik und Sport engagierte.

Sie selbst beschreibt sich als „typische Frankfurterin": Eher zufällig an den Main gekommen, geblieben, Wurzeln geschlagen, von der Stadt fasziniert und für sie engagiert. Tatsächlich ist Petra Roth 1964 mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann hierher gezogen. Geboren wurde sie am 9. Mai 1944 in Bremen, besuchte dort das neusprachliche Gymnasium und schloss mit der Mittleren Reife ab. Anschließend absolvierte sie die Höhere Handelsschule und in Freiburg im Breisgau eine Ausbildung als Arzthelferin, der ein einjähriger Sprachaufenthalt in London folgte. Am neuen Wohnort widmete sie sich zunächst der Erziehung ihrer Söhne, beide inzwischen als Juristen tätig. Schon bald aber begann sie, sich politisch zu engagieren.

In die CDU trat sie 1972 ein und wurde fünf Jahre später erstmals in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Dort war Petra Roth bis 1989 Vorsitzende des Sportausschusses und jugendpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Wie man seinerzeit noch extra hervor hob, stand die damals 38-jährige damit als erste Frau an der Spitze des Sportausschusses und innerhalb einer Legislaturperiode war sie die zweite Frau, die ein solches Gremium leitete; als Vorsitzende der Frankfurter Frauenunion setzte sie sich energisch für Gleichstellung der Frau in Partei und Gesellschaft ein.

Zehn Jahre nach ihrem Einstieg in die Frankfurter Kommunalpolitik wurde Petra Roth 1987 Mitglied des Hessischen Landtages und insgesamt dreimal in ihrem Wahlkreis Frankfurt-Ost (39) direkt gewählt. In Wiesbaden wurde sie Vorsitzende des Arbeitskreises für Wohnungswesen und Städteplanung der CDU-Fraktion und war Mitglied des Innenausschusses im Landtag. Ihre Erfahrungen auf dem Gebiet Sport und Sportförderung stellte sie von 1990 bis 1994 dem Landessportbund Hessen als dessen Vizepräsidentin zur Verfügung.

Hinzu kamen der Kreisvorsitz der Frankfurter CDU von 1992 bis 1995 und von 1990 bis 1998 die Mitgliedschaft im Landesvorstand der hessischen CDU. Nachdem sie 1993 wieder als Stadtverordnete in den Römer zurückgekehrt war, wählte sie das Parlament am 1 April 1993 zur Stadtverordnetenvorsteherin. Der Zerfall der rot-grünen Römerkoalition traf zeitlich zusammen mit einer grundlegenden Änderung der hessischen Kommunalverfassung: Die erforderliche Neuwahl des Stadtoberhauptes erfolgte erstmals nicht mehr durch das Parlament, sondern direkt durch die Wahlberechtigten. Petra Roth stellte sich der Herausforderung und schlug Amtsinhaber Andreas von Schoeler (SPD) gleich im ersten Wahlgang. Ihr Amtsvorgänger Walter Wallmann wünschte seiner Nachfolgerin im Amt für diese Aufgabe vor allem Gesundheit, „denn es ist ein knochenharter Job". Nach ihren ersten sechs Amtsjahren wurde Petra Roth im Jahr 2001 erneut zur Oberbürgermeisterin gewählt, diesmal im zweiten Wahlgang; bei der zweiten Wiederwahl genügte dann wieder ein Wahlgang - ein viertes Mal wird es nicht geben, denn mit dem Ende der gegenwärtigen Amtsperiode im Jahr 2013 ist die gesetzlich vorgegebene Altersgrenze für eine Wiederwahl erreicht.

Am 5. Juni 1997 trat Petra Roth für zwei Jahre das Amt der Präsidentin des Deutschen Städtetages an. Dem üblichen Procedere folgend, amtierte sie danach als Vizepräsidentin, musste wegen des Rücktritts ihres Nachfolgers dann wieder die Verbandsspitze übernehmen, wurde von 2005 bis 2009 erneut Vizepräsidentin und dann abermals Präsidentin des kommunalen Spitzenverbandes - auch dies ein Rekord: Ebenso wie kein Stadtoberhaupt seit Kriegsende länger die Geschicke der Mainmetropole gelenkt hat, ist niemand so zur bundesweiten Verkörperung der Interessen deutscher Großstädte geworden wie Petra Roth. (pia)

Foto: Oberbürgermeisterin Petra Roth, © Fotoatelier 'Das Portrait'/pia

pia