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Zwischen Streitschlichtern und Zeitzeugen deutscher Geschichte

Jugendhilfedezernentin Monika Merkert: Das Jugendbildungswerk des Kreises feiert am 1. Juli 2011 sein 25-jähriges Jubiläum

01.07.11 || altRHEINGAU-TAUNUS-KREIS (01. Juli 2011) - „Rund 300 Veranstaltungen führte der ‚Jubilar‘ in den vergangenen 25 Jahren durch. Es ist jedoch nicht allein diese Zahl, die beeindruckt, sondern die Brandbreite an Themen, die damit abgedeckt wurde", berichtet Jugendhilfedezernentin Monika Merkert anlässlich des 25jährigen Jubiläums. Die Bandbreite reicht von Bildungsreisen nach Berlin, um auf den Spuren der deutschen Geschichte zu wandeln, Naturerlebnisprojekte auf Nidda oder Lahn, Mädchenprojekttagen und dem Blick hinter die Kulissen des ZDF bis zu Kursen über Gewaltprävention sowie den Straßenfußball-Turnieren für Integration und Toleranz. Am 1. Juli feiert das Jugendbildungswerk des Rheingau-Taunus-Kreises sein 25-jähriges Jubiläum und kann auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken.

altJugendhilfedezernentin Monika Merkert, Birgit Elsemüller-Grünewald und Achim Frankenbach vor einem Graffiti, das in einem Projekt des Jugendbildungswerkes entstand.

Einen Beitrag zur Bildung von Jugendlichen zu leisten, dies ist die Aufgabe der eigenständigen Einrichtung, die der Rheingau-Taunus-Kreis nach Paragraf 37, Absatz 2 des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches unterhält. Dabei ist der Begriff „Jugendliche" etwas weiter gefasst: Das Angebot des Jugendbildungswerkes richtet sich an junge Menschen bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres. „Wie viele Teilnehmer wir in den vergangenen 25 Jahren hatten, können wir gar nicht genau beziffern", betont Monika Merkert und: „Das Interesse an den Veranstaltungen ist aber sehr groß".

„Vorrangiges Ziel der Jugendbildungsarbeit des Jugendbildungswerkes ist es, die Jugendlichen zu befähigen, ihre persönlichen und sozialen Lebensbedingungen selbst zu erkennen, ihre gesellschaftlichen Interessen durchzusetzen und die Demokratisierung in allen Bereichen zu verwirklichen", wird die Zielsetzung beschrieben. Das Bildungsangebot soll also den Jugendlichen die Chance zur Emanzipation eröffnen und ihnen die Aneignung von Kenntnissen und Fähigkeiten für Arbeitswelt, Freizeit und gesellschaftliche Tätigkeit ermöglichen. Die Arbeit der Einrichtung ist überparteilich und überkonfessionell.

altDeutsche und Israelische Jugendliche bei einer gemeinsamen Schifffahrt auf dem Rhein. Fotos: Jugendbildungswerk6/ lkrtk

Dies war auch schon in der Anfangszeit 1986 so. Dem „Neugeboren" nahmen sich zunächst einmal der inzwischen verstorbene Egbert Munter und Birgit Elsemüller-Grünewald an, die noch heute - zusammen mit Achim Frankenbach - für das Programm verantwortlich zeichnet. So gab es rasch eine intensive Partnerschaft mit dem Landkreis Jyväskylä in Mittelfinnland. „Zusammen mit Jugendlichen aus Berlin-Wilmersdorf fuhren wir nach Finnland und finnische Jugendliche besuchten uns im Gegenzug", erzählt Achim Frankenbach. Die Jugendlichen haben viel voneinander gelernt, denn „letztlich wissen deutsche Jugendliche wenig über die Lebenswelt ihrer Altersgenossen in Finnland".

Seit 1990 besteht zudem ein Kontakt zur Stadt Karmiel in Galiläa (Israel). „Jugendliche hören in den Medien sehr viel über Israel, den Nah-Ost-Konflikt und seine Auswirkungen und doch ist es viel beeindruckender, wenn Jugendliche in ganz persönlichen Gesprächen mit den Altersgenossen aus Israel vor Ort erfahren, wie sich das Leben in Israel gestaltet", so Monika Merkert. Diese Erfahrung will keiner missen. Vor knapp zwei Jahren besuchten Jugendliche aus Karmiel den Rheingau-Taunus-Kreis. Im vergangenen Jahr wurde zudem ein Jugendtreffen von Ungarn und Deutschen organisiert. Doch nicht nur die internationalen Bildungsreisen erfreuen sich großer Beliebtheit.

„Immer ausgebucht sind gerade auch die Reisen in die Bundeshauptstadt nach Berlin, bei der den Jugendlichen die deutsche Geschichte - Ost und West - nahe gebracht wird", berichtet Achim Frankenbach. Monika Merkert ergänzt: „An dieser Reise habe ich einmal selbst teilgenommen und konnte mich davon überzeugen, dass Jugendliche großes Interesse an deutscher Geschichte zeigen, wenn das Programm spannend aufbereitet wird." Vor allem die Gespräche mit Zeitzeugen der DDR-Diktatur im Gefängnis der Stasi in Hohenschönhausen haben die Teilnehmer besonders beeindruckt."

In Berlin gibt es darüber hinaus eine außergewöhnliche, weil unterirdische Stadtführung durch alte Bunker mit Theaterszenen. Der Besuch des Reichstages und des Olympiastadions, sowie eine Stadtrundfahrt mit dem besonderen Blickwinkel auf die Berliner Geschichte und ihrer jüdischen Bewohner stehen zudem auf dem Programm.
Doch auch vor Ort bietet das Jugendbildungswerk des Rheingau-Taunus-Kreises vielfältige und interessante Seminare, Workshops und Kurse an. „Ein Blick in das Jahresprogramm lohnt sich immer", betont Landrat Burkhard Albers. So bot das Jugendbildungswerk beispielsweise einen HipHop-Workshop an. In dem Workshop erstellten Jugendliche nicht nur eine eigene Homepage, sie schrieben auch ihre ersten musikalischen Texte. Neben dem Texten und Reimen gehörte zu der Aufgabenstellung auch die Auswahl der Beats und das Gestalten des Covers für die fertige CD.

Großen Raum nehmen auch seit einigen Jahren die Anti-Gewalt-Projekte ein. Das Projekt „stark im Konflikt" wird in Zusammenarbeit mit den Steimel-Menschner-Projekten an verschiedenen Schulen durchgeführt. In dem Projekt werden Ursachen und Auswirkungen von Gewalt in Szene gesetzt und mit den Jugendlichen besprochen. „Ein Projekt, das die mentale Auseinandersetzung mit Gewalt fordert", so Birgit Elsemüller-Grünewald. Das Jugendbildungswerk organisiert aber auch Projekte, in denen zu einem sensiblen Umgang mit Internet und Webcommunities aufgefordert wird.

„Das Jugendbildungswerk leistete in den vergangenen 25 Jahren eine wichtige Aufgabe und dies wird auch in Zukunft so sein", betonen Landrat Albers und die Jugendhilfedezernentin Monika Merkert und weiter: „Wir werden auch in Zukunft auf diese Erfahrungen zurückgreifen." (cz/lkrtk)

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