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Napoleons "Grand Armee" zog auch durch Kriftel

Auf ihrem Rückzug im Spätherbst 1813 machten die Franzosen Quartier und stellten für Unterkünften und Verpflegung Quittungen aus

11.02.14 || altKRIFTEL (10. Februar 2014) - Ein kurioses Bild aus der Heimatgeschichtlichen Sammlung der Gemeinde Kriftel kann man sich derzeit in der Ausstellungsvitrine im Rat- und Bürgerhaus betrachten. Von vorn betrachtet, zeigt es den französischen Eroberer Napoleon Bonaparte hoch zu Pferd während einer Schlacht. Blickt man seitlich von links auf das Bild, erkennt man auf einer Art Lamellenvorhang ein Brustbild Napoleons. Die Rückseite der Lamellen bedeckt eine Darstellung des französischen Marschalls Soult. Die Herkunft dieser Kuriosität ist unbekannt. Eine Familie aus Kriftel hat sie der Sammlung der Gemeinde anvertraut.

Die Sammlung wird von Gemeindearchivar Wilfried Krementz betreut, der in gewissen Abständen die Vitrine im Rathausfoyer mit historischen Dokumenten zu einem bestimmten Thema oder Anlass gestaltet. Der Anlass für die derzeitige Gestaltung ist das „Ende der Napoleonischen Fremdherrschaft" in Deutschland vor 200 Jahren. Napoleon I. (1769-1821) hatte in der zweiten Dekade des 19. Jahrhunderts zeitweise die Herrschaft über weite Teile Europas errungen. Sein Niedergang wurde eingeleitet vom katastrophalen Ausgang des Feldzugs gegen Russland (1812). Nach der Völkerschlacht bei Leipzig musste sich die „Grande Armee" über den Rhein zurückziehen.

Auf ihrem Rückzug passierten die Franzosen im Spätherbst 1813 das Rhein-Main-Gebiet. Auch in Kriftel bezogen die Soldaten Quartier. Aus dieser Zeit existieren noch Quittungen, die französische Offiziere der Gemeinde Kriftel für die Gewährung von Unterkünften und Verpflegung ausstellten und die auch in der Vitrine zu sehen sind. Einmal wird die Bereitstellung von Unterkünften für 55 Soldaten mit der gleichen Zahl von Pferden, die mit Heu und Hafer versorgt werden mussten, quittiert. Ein anderes Mal waren es 59 Soldaten.

Eine Hochzeit und ein Todesfall


Weiter zeugen manche Eintragungen im Kirchenbuch der katholischen Kirchengemeinde davon, dass Napoleons Truppen auf ihrem Rückzug auch in Kriftel Station machten. „Es hat sogar eine Hochzeit zwischen einer Kriftelerin und einem französischen Soldaten gegeben", weiß der Gemeindearchivar. Die letzte Eintragung aus jenen Tagen kann man sich ebenfalls in der Vitrine betrachten. Sie betrifft einen Todesfall: Am 7. Oktober 1813 war Jean Baptiste Georgius, Soldat der großen Armee Napoleons, in Kriftel an einer zuvor erlittenen Verwundung gestorben.

Eine historische Darstellung von Napoleons Soldaten beim Überqueren der Nidda-Brücke in Nied hat Krementz ebenfalls in die Vitrine gestellt. „Über diese Brücke erfolgte der Rückzug der gesamten französischen Armee", sagt der Gemeindearchivar. „Der Durchmarsch der Truppen dauerte vom 28. bis 30. Oktober 1813." Napoleon hat in der Nacht vom 1. auf den 2. November im Höchster Bolongaro-Palast übernachtet. Nur zwei Tage später kamen russische Kosaken von den alliierten Truppen in die Gegend. Etliche wurden vorübergehend in Kriftel einquartiert, wo sie den Einwohnern auch noch das Wenige wegnahmen, das ihnen die Franzosen übrig gelassen hatten. Krementz hat eine Notiz das Krifteler Pfarrers von Schwarz aus jenen Tagen gefunden. Der Geistliche klagte darüber, dass die ausgehungerten Russenpferde den letzten Heuvorrat gefressen hätten - und die Futterkrippe selbst gleich mit.

Schwere Zeiten für die Krifteler von damals. „Ab dem Jahr 1792 bis 1814 herrschte fast ständig Krieg, und unsere Gegend war hiervon besonders betroffen", stellt Krementz fest. Mit dem Bündnis zwischen Russland und Preußen im Jahre 1813 begann der Befreiungskrieg gegen die Napoleonische Fremdherrschaft. Am Schwarzbachufer in Kriftel ist 100 Jahre nach der Erhebung Preußens gegen Napoleon eine Bürgerlinde gepflanzt worden. Daran erinnert ein Gedenkstein an der Hofheimer Straße, in der Nähe der kleinen Holzbrücke, die über den Schwarzbach führt. (mk/kri)

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