23.04.12 ||
FRANKFURT
(23. April 2012) - Nächsten Donnerstag, 26. April, ist wieder Girls‘ Day, der elfte in Frankfurt. In der Mainmetropole beteiligen sich dieses Jahr rund 2500 Mädchen ab der fünften Klasse, mehr als
siebenmal so viel wie zum Start der Aktion im Jahr 2002. Auch das Engagement der Unternehmen und Institutionen hat sich verdoppelt, reicht aber immer noch nicht aus, um die Nachfragen der
Schülerinnen zu decken.
Mit dem Girls‘ Day sollen Schülerinnen ab der fünften Klasse die Arbeitswelt in Technik, Handwerk, Ingenieur- und Naturwissenschaften kennenlernen. Außerdem sollen sie Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft und Politik treffen, die als Vorbild dienen können. Fast die Hälfte der Frankfurter Mädchen beschränkt sich bei der Wahl des Ausbildungsplatzes auf zehn Berufe mit vergleichsweise schlechten Aufstiegs- und Verdienstpotentialen.
„Durch die spezifische Ansprache von Mädchen trägt der Girls´ Day dazu bei, positive Trends in der Berufswahl von jungen Frauen zu verstärken. Auch Unternehmen und Organisationen profitieren: Je öfter ein Unternehmen am Girls' Day teilnimmt, desto größer ist das Engagement, Frauen für technische Berufe anzusprechen", sagt Frauendezernentin Sarah Sorge.
Etwa 90 Frankfurter Organisationen und Unternehmen geben über die bundesweite Internetplattform http://www.girls-day.de Frankfurter Schülerinnen die Möglichkeit, am Schnuppertag teilzunehmen. Unter anderem beteiligen sich die Firmen Nestlé und Siemens, der Hessische Rundfunk, die Fachhochschule, die Goethe-Universität, verschiedene Banken, die Telekom und die Mainova AG.
Die Stadtverwaltung beteiligt sich dieses Jahr mit 13 Ämtern und Institutionen mit rund 90 Plätzen. (Amt für Straßenbau und Erschließung, Branddirektion, Denkmalamt, Friedhofsamt, Palmengarten, Grünflächenamt, Stabsstelle sauberes Frankfurt, Stadtschulamt, Amt für Informations- und Kommunikationstechnik, Stadtentwässerung, Stadtkämmerei, Straßenverkehrsamt, Volkshochschule). Die Plätze sind alle ausgebucht!
Zum siebten Mal findet in Frankfurt auch ein Boys´ Day statt. Dieses Jahr beteiligen sich in Frankfurt etwa 75 Organisationen mit rund 300 Veranstaltungen. Auch für die Jungen gibt es eine
Internetseite, unter der sie sich anmelden können: http://www.boys-day.de
Mehr als die Hälfte der männlichen Auszubildenden entscheidet sich für einen von zwanzig jungentypischen Ausbildungsberufen im dualen System - kein einziger aus dem sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich ist darunter. „Gerade in diesen Berufsfeldern sind mehr männliche Fachkräfte erwünscht", sagte Stadträtin Sarah Sorge. „Wir brauchen mehr Erzieher für unsere Kitas. Frankfurt ist eine wachsende Stadt mit über 7000 Geburten im Jahr. Deshalb herrscht hier großer Bedarf an Nachwuchskräften, die in jeden Fall einen krisenfesten Beruf haben werden."
Gut vier Fünftel - genau 2092 der 2550 Schulabgängerinnen - verließen 2010 eine Frankfurter allgemeinbildende Schule mit einem höherwertigen Schulabschluss, etwas über die Hälfte von ihnen mit
Abitur. Lediglich 82 Schülerinnen (2,09 Prozent) erreichten keinen qualifizierten Schulabschluss. „Mädchen und junge Frauen sind damit ganz überwiegend für einen Berufsstart gut gerüstet", freut sich
der Dezernent für Infrastruktur, Stadtrat Volker Stein, „und es stehen ihnen viele Wege offen."
Aber: Vier von zehn Frankfurter Berufsschülerinnen (4219 von 10.166) konzentrierten sich im Ausbildungsjahr 2010/2011 auf nur zehn vorwiegend kaufmännische Ausbildungsberufe. Die meisten Berufsschülerinnen (941) absolvierten eine Ausbildung als Bürokauffrau. Wie schon seit Jahren strebten nur wenige junge Frauen einen Beruf in den naturwissenschaftlichen oder technischen Berufsfeldern an, für die beim Girls‘ Day geworben werden soll. Lediglich 61 junge Frauen machten eine Ausbildung im Berufsfeld Rechnungskaufleute/Informatiker und 21 im Berufsfeld Elektroberufe.
Etwas besser sah es bei den Studienanfängerinnen aus. So studierten zwar 1512 Studentinnen ein Studienfach mit einem sozialen Schwerpunkt an der Frankfurter Fachhochschule. Aber unter den zehn am stärksten von Frauen besetzten Studiengängen waren auch vier mit technisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung, für die sich zusammen 609 Studentinnen entschieden haben. Ein ähnliches Bild ergab sich an der Goethe-Universität.
Unter den zehn von Frauen am häufigsten gewählten Fachbereichen waren zwei mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, der Fachbereich Informatik und Mathematik mit 1568 und der Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie mit 1184 Studentinnen. Auffällig war, dass im Studiengang Biochemie, Chemie und Pharmazie mehr Frauen als Männer studierten (55,8 Prozent). Auch studierten insgesamt mehr Frauen (24.031) als Männer (16.943) an der Goethe-Universität.
Stadtrat Stein sieht im Girls‘ Day eine gute Gelegenheit für Mädchen und junge Frauen, ihr Berufswahlspektrum zu erweitern und in technische und naturwissenschaftliche Berufsfelder hineinzuschnuppern. „Dann könnten in Zukunft noch einige mehr von ihnen hier ihren Traumberuf finden", ist der Stadtrat überzeugt.
Anders als junge Frauen wählen junge Männer an der Schwelle in das Berufsleben ihren Ausbildungsberuf oder ein Studienfach aus einem größeren Berufsspektrum. Wie junge Frauen auch sind sie dabei
häufig auf einem Auge nahezu blind - nur auf dem anderen. Während Frauen die technischen und naturwissenschaftlichen Berufe eher ausblenden, entscheiden sich Männer selten für soziale und
pädagogische Berufe.
Der Dezernent für Infrastruktur, Stadtrat Volker Stein, bedauert das. „Mit Blick auf den demographischen Wandel sind dies zukunftsfähige Berufe", so seine Überzeugung, „denn die Nachfrage nach Fachkräften in den Berufsfeldern Kinderbetreuung, soziale Arbeit und Pflege ist jetzt schon hoch und wird weiter ansteigen." Zudem böten diese Berufe eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Junge Männer haben im sozialen und pädagogischen Bereich Nachholbedarf. So waren im Wintersemester 2011/2012 an der Fachhochschule Frankfurt von den 2312 Studierenden eines Studienganges mit einem sozialen, pflegerischen oder pädagogischen Schwerpunkt nur ein gutes Fünftel (501 Personen) männlich. Am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität waren 500 Studenten, aber 2393 Studentinnen eingeschrieben. (pia)