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Eine Rheingauer Winzerin aus Leidenschaft

Christine Keßler von Kindesbeinen an mit dem Rebensaft auf Du und Du - Zu neuen modischen Weinen drängt es weder Christine noch Peter           von Karl-Heinz Stier

23.05.18 || altMARTINSTHAL/HALLGARTEN (23. Mai 2018) - „Me, my Rheingau and I" prangt in weißen Lettern auf ihrem blauen T-Shirt - ein Bekenntnis der jungen Winzerin, das zeigen soll, dass sie mit Herz und Seele hinter dem Rheingau, ihrem Weinbaubetrieb und seinen vineologischen Erzeugnissen steht. Sie ist eine von den weiblichen Nachwuchskräften, die beispielhaft die Rheingauer Winzerinnen verkörpert.

Ihr Name: Christine Keßler und der Vorname ihres Mannes ist Peter Beide stammen aus traditionellen Rheingauer Winzerfamilien, er aus dem Weinbaubetrieb Keßler aus Martinstal, sie aus dem Weingut Bickelmaier in Oestrich. Beide erschnupperten schon in ganz frühen Jahren im Hause ihrer Eltern, was es bedeutet, dem Beerensaft Gunst und Hingabe zu schenken.

altWinzerin Christine liebt trockene oder feinherbe Kabinett-Weine

Im November 2017 eröffneten beide den Gutausschank „Riesling Pier" mit Vinothek in Hallgarten, einem Ortsteil von 0estrich-Winkel in der Rebhangstrasse 22, hoch oben auf dem Berg (nicht so einfach zu finden, weil die geraden Hausnummern erst viel später in der Straße auftauchen!). Aber dafür wird man mit einem herrlichen Ausblick auf das Rheintal und manchmal sogar bei guten Wetterlagen bis in den vorderen Odenwald entschädigt. Egal, ob man sich auf einem der 60 Plätze im Inneren niedergelassen hat oder draußen auf der vorgelagerten Terrasse mit 50 Plätzen , die begrenzt ist mit schmucken Bruchsteinen, sitzt.

MIt 260 Quadratmeter Rieslingfläche fing alles 2008 an


Christine Keßler hat die klassische Laufbahn als Winzerin in Geisenheim durchlaufen und ihre Studium als Diplom-Ingenieurin für Weinbau und Önologie abgeschlossen. Danach übernahm sie mit ihrem Bruder das elterliche Weingut Bickelmaier. Im Juli letzten Jahres schuf sie sich ein „eigenes Nest", schied dort aus und gründete mit ihrem Mann das jetzige Weingut & Gutsausschank als GbR. Jetzt bewirtschaften sie nach Zukäufen und Anpachtungen zehn Hektar. Mit 260 Quadratmeter Rieslingfläche haben sie 2008 begonnen. Aus der Zertifizierung ökologischer Weinbau sind sie mittlerweile ausgeschieden, nachdem in dem feuchten Lesejahr 2014 der Pilzbefall so stark war, dass sich der Ertrag um die Hälfte schmälerte. Zwischenzeitlich hatten sie angrenzend eine Halle für den Weinausbau und Weinkeller erstellt. Zur Seite stehen ihnen zwei polnische Dauerhilfskräfte, die sich insbesondere im Weinanbau nützlich machen.

altAußenansicht des Gutsausschanks „Riesling Pier" an der Rebhangstrasse 22

Am Wochenende heiß geräucherte Wisperforelle ...


Die Winzerin, ehemals auch Rheingauer Weinkönigin im Jahre 1999 und davor Ortsweinkönigin und Prinzessin in Oestrich hat sich mit ihrer neuen Tätigkeit ein großes Pensum aufgeladen. Sie ist nicht nur Mutter von drei Kindern (7, 9 und 11 Jahren), sie ist auch für die Buchhaltung und den Gutsausschank mit Küche zuständig. Ihre Speisekarte kann sich sehen lassen, 15 Gerichte stehen zur Auswahl, wie die traditionellen Rheingau-Angebote eingelegter Handkäs, Wein - und Spundekäs, Wildsülze und freitags und samstags heiß geräucherte Wisperforelle, aber auch ganz normale Leckerbissen wie Rindfleischsalat, Bratwurst und Schweineschnitzel.

... und neben den eigenen Schoppen den „Sundowner"


Was die Weine angeht, so werden nur eigene Schoppen ausgeschenkt. So stehen zur Auswahl: sieben Riesling-Weine (das O,2 Glas liegt zwischen drei und vier Euro), fünf Burgunder-Weine (zwischen 3,50 und 5 Euro), Sekte und Perlweine und als Hausrezept einen Cocktail „Sundowner". Flaschenweine kann man laut Preisliste von5,20 bis 9,60 Euro mit nach Hause nehmen.

Die meisten Gäste kommen aus der Rhein-Main-Region. „Uns macht es Freude, mit unserem Weinbautrieb neue Wege zu gehen und uns damit ein wenig von unseren Eltern zu unterscheiden", meint Winzerin Christine. Das gilt jedoch nicht für die angebauten Rebsorten. Da bleiben die Keßlers traditionelle dem Riesling mit 75 Prozent treu („keiner dieser Weine hat mehr als 8 Prozent Säure"), gefolgt vom Spätburgunder (10 %) sowie Grau - und Weißburgunder. Zu neuen modischen Weinen drängt es die beiden nicht.

altDer Gutsausschank verfügt im Inneren über 60 Plätze. Fotos (3): Karl-Heinz Stier

Geöffnet ist der Gutsausschank Mittwoch bis Samstag von 17 Uhr bis open end. (Reservierungen sind empfohlen unter 06723 - 885520 oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. .) Sonntags werden die Pforten ab 14 Uhr geöffnet, jedoch mit Selbstbedienung von kleinen Speisen aber die üblichen Getränke.

Die Zeiten für die Vinothek sind Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 11.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr.

Wie es zum guten Schluss zum „Riesling Pier" kam


Bleibt noch nachzutragen, warum die Keßlers ihren Gutsausschank „Riesling Pier" nennen. Bei Baggerarbeiten für die Kelterhalle war man auf feinsten Sand gestoßen. Und wo Sand ist, war auch mal Wasser, sagen die Geologen. Also, vor 25 Millionen Jahren war im Rebhang die Grenze des Mainzer Beckens, ein Appendix der Nordsee. „So kamen wir auf die Idee, da der Standort unseres neuen und jungen Weingutes früher am Meer lag, uns - übertragen - heute ein Rebenmeer vorzustellen. Das Pier soll sozusagen als Brücke dazu dienen", erklärte Winzerin Christine. Also dann Prost bei" Keßlers Riesling Pier"!