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Vegetarisch, vegan, pegan

Eine Betrachtung über den Tellerrand hinaus           von Ingeborg Fischer

26.05.16 || Nein, es sind nicht die bewundernswerten Vegetarier von einst, die keine Tiere töten mögen, um den Gaumen kitzeln zu können und die sich brav von Gemüse, Eiern und Milchprodukten ernähren. Diese Menschen haben meine Hochachtung verdient und bei mir ein schlechtes Gewissen den armen Fleisch liefernden Kreaturen gegenüber hervorgerufen. Es sind die Zeitgenossen, die ihren Verzicht auf Fleisch wie ein Banner vor sich hertragen: „Seht her, ich bin ein besserer Mensch", die bei mir Stirnrunzeln hervorrufen.

Doch, es hat etwas für sich. Beim Skiurlaub im Tuxertal in Tirol lernte ich ein Restaurant „Kaaskuchel" (Käseküche) kennen, das damit warb: „Bei uns essen Sie keine Leichenteile", was mir für die restliche Urlaubszeit die Freude am Zwiebel-Rostbraten verdorben hat. Die „Kaaskuchel" hatte für zehn Tage einen regelmäßigen Gast gewonnen.

Es gibt aber auch noch einem weiteren Spezies-Menschen: Den „Paleotaner", den Steinzeitmenschen, wie in der Betrachtung angemerkt. Dieser schmaust, wie der Urmensch schon Insekten. Hier spricht der Paleo begeistert von der Wüstengarnelle und meint die Heuschrecke, aber auch Grille Mehlwürmer und Co gehören u.a. auf seinen Speiseplan. Mit einem funkeln in den Augen schwärmt er von der frittierten Heuschrecke, gebackenen Grille mit Chili oder Buffalowurm-Karamell. Richtig ist, dass Insekten, laut einschlägigen Untersuchungen, gesund sein sollen und neben vielen Proteinen auch Vitamin und Mineralstoffe beinhalten. Als Ergänzung des Speiseplanes in der Zukunft werden sie angesehen. Bereits eine Vielzahl von Restaurants in Deutschland bieten Insektensnacks und Gerichte mit Speiseinsekten an. Diverse Insektensnacks, die es käuflich gibt, bis hin zum Lutscher, zeigt das Bild, Text und Foto: Ralph Delhees

Plötzlich gibt es nun die Veganer. Bei Veganern regiert der Tofu. Sie lehnen die Nutzung von Tieren und tierische Produkte ab. Sie nehmen dem Huhn sein Ei nicht weg und melken keine Kuh, mag der pralle Euter auch platzen. Butter, Käse, Quark und Sahne - alles tabu! Es ist mir ein Rätsel, wie man das hinkriegt. Aber immerhin - es werden immer mehr und mehr.

Ja - mehr und mehr - weil es mittlerweile so schick ist - „wie geil ist das denn!!! - Vegane Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil des „Small talk" bei schicken Partys geworden. Man brüstet sich. Und kein Restaurant, das etwas auf sich hält, kann es sich heutzutage erlauben, keine veganen Gerichte anzubieten. Dann ist man sofort aber so was von out! In der FAZ am Sonntag habe ich gelesen, dass ein Vater gegen die Stadt Berlin geklagt hat, weil die Schulkinderbetreuung für seinen Sprössling kein veganes Essen anbietet.

Mühsam ist es mittlerweile geworden, wenn man ein paar nette Leute zum Essen einladen will. Früher hat man im Sommer gegrillt - Steaks, Hähnchenschenkel, Bratwürste - und einen leckeren Kartoffelsalat, mit Radieschen und Eierscheiben schön dekoriert, dazu gereicht. „Das geht aber nun gar nicht! Wie ungeil ist das denn?" Im Winter gab es Rindsrouladen oder einen Schmorbraten mit Klößen. Klöße werden noch toleriert - aber bitte ohne Soße und ohne Eier zubereitet. Heutzutage hat die Köchin dann auch noch an die sich erstaunlicherweise rasend schnell vermehrenden Laktose-Intoleranten und die Gluten-Allergiker zu denken. Ihre Kochkunst von einst wird nicht mehr geschätzt und - die Gerichte, die sie auf den Tisch bringen darf, schmecken ... ach Du liebe Zeit!

Jetzt sind ganz aktuell die Peganer dazu gekommen. Tja, was sind Peganer? Das sind Vegetarier und Veganer, die aber doch kleine Portionen Fleisch essen dürfen, wenn sie sich wie die Steinzeitmenschen ernähren. Es kommt nur das auf den Teller, was es auch schon in der Steinzeit gegeben hat. Aha! Denn die Steinzeitmenschen haben nicht mit Pflanzenölen gekocht - n u r mit Olivenöl?? Sie haben Ahornsirup und Kokosblüten-Zucker verwendet und grüner Spargel war angesagt. Bunt sehen die steinzeitlichen peganen Teller in den angesagten Restaurants aus, die Gerichte sind fantasievoll garniert. Exotische Gemüse dominieren. Ja, die Steinzeitmenschen wussten, wie man erlesen speist - gelle?

Was kommt als nächstes und erreicht die Vorstadt-Villen und Häus´chen im Grünen? Ich zum Beispiel rede mit meinen Tomaten-Pflanzen. Meine Tomaten-Pflanzen danken es mir mit prallen, roten und gelben „Paradeisern". Mein Thymian im Kräuterbeet - einst ausgegraben auf einer Bergwiese in der Steiermark - gedeiht sicher seit Jahren so gut, weil ich ihm manchmal vom Seewigtal erzähle, wo er einst gestanden hat. Ich bin überzeugt davon, dass auch Pflanzen eine Seele haben. Meine Topfblumen am Fenster warten auch stets auf ein gutes Wort von mir. Also - wann kommt die Fleisch- Eier- Käse -lose Ernährung ohne Gemüse? „Wie geil wäre das denn?

Guten Appetit!