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Kunst & KulturMusik › Spontaner Dank für eine große Lebensleistung

Spontaner Dank für eine große Lebensleistung

Martin Lutz führt in der Marktkirche zum Abschied Bachs Weihnachtsoratorium auf           von Britta Steiner-Rinneberg

21.12.17 || WIESBADEN (20. Dezember 2017) - Nach der dreistündigen Aufführung aller sechs Teile des Weihnachtsoratoriums in der Marktkirche erhoben sich die Hörer spontan: Um sich unisono für die große Lebensleistung zu bedanken, mit der Kantor Martin Lutz und die Schiersteiner Kantorei seit über 45 Jahren die Hörer fesselte und beglückte. Ein Dank, der wahrhaft von Herzen kam und alle berührte!

Die Kantorei, die Lutz als junger Kantor und Organist nach und nach vergrößerte, hat sich inzwischen zu einem 120 Sänger und Sängerinnen zählenden Chor entwickelt, der nicht nur „daheim", sondern auch im Ausland seit Jahren für große Begeisterung sorgte. Nun war Martin Lutz letzte Veranstaltung mit dem Chor in Wiesbadens ausverkaufter Marktkirche zu erleben. Sie wurde vom Publikum nachdrücklich und lang applaudiert. Wohl kein Besucher hätte auf dieses gefeierte Abschiedskonzert verzichten wollen. Sie dankten den Sängern, dem Bach-Ensemble, dem Chor und ihrem sich verabschiedendem Leiter von ganzem Herzen für dieses eindrucksvolle „Lebewohl", das allen in Erinnerung bleiben wird.

Lutz, der sein Kantoren- und Organistenamt in der Schiersteiner Christophoruskirche über 40 Jahre lang ausübte, ist aus dem Kulturleben unserer Stadt nicht mehr weg zu denken. Das große Auditorium in der Marktkirche zögerte daher keinen Augenblick, ihn am Ende enthusiastisch zu feiern und damit seiner Lebensleistung mit kaum enden wollendem Applaus zu danken. Sichtlich berührt dankte Lutz der riesigen Hörerschar für die Treue und Anhänglichkeit, die sie ihm vier Jahrzehnte lang bewiesen hatte, und verbeugte sich tief.

Mit der Aufführung des vollständigen Bach`schen Weihnachtsoratoriums bescherte der Kantor auch der Sängerschar seines Chores selbst einen zwar unsentimentalen, aber überaus beglückenden Abschied. Unter den Solisten ragte der aus Kiedrich stammende, weltweit angesehene Altus Andreas Scholl heraus. Er wurde zwar in der ersten Kantate von Judd Perry vertreten, machte das aber schon in der zweiten Kantate insbesondere mit der überwältigend gestalteten Arie „Schlafe mein Liebster, genieße der Rúh´ ..." mehr als gut. Auch die anderen Solisten, die Sopranistin Kataryn Kaspar, der Bassbariton Markus Flaig und der Tenor Andreas Weller, wurden für ihre zwingenden Leistungen von der großen Zuhörerschaft mit starkem Beifall gefeiert.

Die volle Konzentration auf den Text mit der Partie des „geschwächten" Teufels" (im letzten Satz) bannte die gespannt lauschenden Hörer. Es war ein wunderbarer langer Abend in der Kirche, der die Solisten, den Chor und das Bach-Ensemble insgesamt zu großer Form auflaufen ließ. Sicherlich wird dieses Konzert allen fest im Gedächtnis bleiben, Viele werden sich noch lange an den rührigen, musikalisch herausragenden einflussreichen Chorleiter Lutz mit großer Dankbarkeit erinnern. Er tritt nun in den Ruhestand, wird aber sicher in anderer Funktion in Zukunft weiter „zu hören" sein. Für alles, was er in Zukunft zu tun gedenkt, werden ihm alle Hörer Glück und Segen wünschen.