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Kunst & KulturMusik › Ein Requiem, das niemand vergessen wird

Ein Requiem, das niemand vergessen wird

Kantor Martin Lutz präsentiert in der Wiesbadener Marktkirche sein Abschiedsgeschenk mit der Schiersteiner Kantorei - Eine Ära, die keiner der Besucher je vergessen, sondern dankbar in Erinnerung behalten wird           von Britta Steiner- Rinneberg

27.11.17 || altWIESBADEN (26. November 2017) - Als einen der Höhepunkte seiner jahrelangen Arbeit führte Kantor Martin Lutz mit der Schiersteiner Kantorei in der Wiesbadener Marktkirche nun zum letzten mal Verdis „Requiem" auf. Der langjährige Chorleiter und Organist wurde vom Publikum in der voll besetzten Marktkirche mit Ovationen gefeiert. Ein großer Dank für unvergessliche Erinnerungen an musikalische Genüsse, mit denen er seine Hörer viele Jahre verwöhnte. Sie werden allen in bester Erinnerung bleiben, weil sie selten gespielte Werke boten, die man sonst nicht hört.

Die Hörer dankten ebenso den Sängern, dem Chor und dem Bachorchester mit Ovationen, die kaum ein Ende nahmen. Jil Cecilia Lee (Sopran), Ursula Eittinger (Alt), Gustavo Quaresma (Tenor) und der bewährte Bassist Klaus Mertens bildeten ein homogenes Quartett mit überwältigender Strahlkraft. Martin Lutz` fast immer ausverkaufte Konzerte lockten auch diesmal viele auswärtige Besucher an, die sich musikalischen Genüsse dieser Güte nicht entgehen lassen wollten. Die hervorragenden Solisten und Musiker und seine in über drei Jahrzehnten bestens geschulte Kantorei fesselten von Anfang bis Ende. Viele der Zuhörer erinnerten sich während dieses Abschiedskonzerts an vorausgegangene unvergessliche Konzerte unter Martin Lutz` Leitung, die ihnen ebenso fest im Gedächtnis haftete, wie es jetzt Verdis „Requiem" tun wird.berbach

altDie Schiersteiner Kantorei unter dem Dirigat von Martin Lutz in Kloster Eberbach. Foto: M. Lutz

Der „Tag des Jüngsten Gerichts", der wie ein Entsetzensschrei die Ruhe der Toten störte, lässt die Frage offen, ob wir nun in finsterer Nacht versinken oder das ewige Licht uns von ferne einen Hoffnungsschimmer gibt? Die quälende Auseinandersetzung mit dem unbekannten Tod taucht in Verdis Werk ja immer wieder auf. Doch sie lässt uns diese unbekannte, letzte und harte Wegstrecke nicht allein gehen, sondern im Vertrauen und einer Verbundenheit mit Gott und der Hoffnung auf seine gnädige Hilfe bis zum Ende weiterwandern.

Martin Lutz, seine Schiersteiner Kantorei, die Instrumentalisten und eine sorgsam ausgewählte Solistenriege traten mit dem „Requiem" noch einmal in Aktion, ehe sie ihre wunderbare, gemeinsame Arbeit beendeten. Sie kennzeichnete eine Ära, die keiner der Besucher je vergessen, sondern dankbar in Erinnerung behalten wird. Selbst die harten Proben, die den glanzvollen Aufführungen vorausgingen, möchte wohl keiner der Sänger missen! Ein bannender Abend wie dieser bleibt für das Publikum unvergesslich und kehrt so leicht nicht wieder. Die Hörer spürten es deutlich. Erst nach einer Minute betroffener Stille setzte ungeheurer Beifall für alle an der Aufführung Beteiligten ein, vor allem für den sich schier verausgabenden Dirigenten. Alle machten sich mit tiefer innerer Erregung auf den Heimweg.

Einstimmung auf die Weihnachtszeit mit Martin Lutz


altProf. Martin Lutz wird am 9. Dezember Bachs Weihnachtsoratorium aufführen. Foto: RMTOM-Archiv/C. Neuheller

Mit Bachs Weihnachtsoratorium wird Martin Lutz am 9. Dezember seine intensive Arbeit mit der Schiersteiner Kantorei dann wohl endgültig abschließen. Wie zu erwarten, wird seine Interpretation alles Pomphafte ausklammern, sondern sehr bewusst auf tief empfundene Frömmigkeit und Kraft der Aussage setzen, die ins besondere der Chor zum Ausdruck bringt. Als Solisten wird man Kateryna Kasper (Sopran), Simone Grün (Soprano in eco), Andreas Scholl (Altus), Andreas Weller (Tenor) und Markus Fleig (Bass) hören, die mit dem Chor dialogisieren. Für den scheidenden Chorleiter Martin Lutz. für Sänger, Musiker und Besucher wird es voraussichtlich die letzte gemeinsame Aufführung in der Marktkirche werden. Sie soll allen Genuss und Freude bringen und schon heute auf die Weihnachtszeit einstimmen.