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Kunst & KulturMusik › Ovationen für Händels Oratorium „Saul“

Ovationen für Händels Oratorium „Saul“

Dreiaktiges Oratorium wird in englischer Sprache gesungenen - Staatstheater Mainz feierte stürmisch die Übernahme vom Oldenburgischen Staatstheater           von Britta Steiner-Rinneberg

08.11.17 ||
altMAINZ (08. November 2017) - In der Inszenierung des Oldenburgischen Staatstheaters von Händels Oratorium „Saul" ist der Titelheld alles andere als ein sensibler Herrscher, sondern ein skrupellos über Leichen gehender kalter Machtmensch. Die Mainzer Einstudierung (Lydia Steier) zeigt statt eines in sich gekehrten Harfenspielers einen hoch über der barocken Szene thronenden, selbstherrlichen Potentaten, der David als verdienten Lohn die Hand seiner Tochter Merab verspricht. Doch die hochnäsige Dame will von der ehelichen Verbindung mit einem Mann aus dem niederen Volk nichts wissen, während ihre Geschwister Jonathan und Michal sich zu ihm hingezogen fühlen.

Da der von bösen Vorahnungen geplagte Saul fürchtet, David könne ihn eines Tages um die Gunst des Volkes bringen und die ganze Macht an sich reißen ,beschließt er, ihn zu töten. Er geht zum Schein auf die Bitte seines Sohnes ein, schickt Jonathan in den Kampf und hofft. David auf diese Weise los zu werden, Doch David kehrt heil zurück! Sauls Wut richtet sich nun gegen Jonathan, den er bezichtigt, sich auf Davids Seite geschlagen zu haben. Das Volk kommentiert das Geschehen und zeigt dem Publikum, wie der Erbitterte schließlich in Selbstzerstörung endet.

altEin Szenenbild aus der Oper „Saul" von G.F. Händel im Staatstheater Mainz zeigt Derick Ballard/Saul, Steven Ebel /Jonatjan und Marie-Christine Haas /Merab. Foto: Staatstheater Mainz/Andreas Etter

Der dritte Akt zeigt den von Gott und den Menschen Verlassenen am Vorabend der Schlacht bei der Hexe von Endor, wo er sich Rat erhofft. Doch sie belehrt ihn, an seinem Schicksal selbst schuld zu sein, denn Gott habe sich von ihm abgewandt, als er gegen dessen Gesetze verstoßen habe! Er und seine Kinder würden in der kommenden Schlacht nicht überleben, und sein Reich würde an David fallen. Als David nach der Schlacht die Nachricht vom Tod des vom Neid Zerfressenen erhält, tötet er den Unglücksboten und Jonathan. Das Volk trauert um den König, David beklagt den Verlust seines Freundes und alle begrüßen den neuen König.

Händels in der letzten und zugleich reichsten seiner Schaffensperioden entstandenes Oratorium weist bereits deutlich die Nähe des Komponisten zur Kirchenmusik auf, mit der er die das Stück untermauernden Massenchöre einführte. Die musikalische Leitung des von Lydia Steier inszenierten und in englischer Sprache gesungenen dreiaktigen Oratoriums liegt in Händen Andreas Sperings. Katharina Schlipf gestaltete die Bühne, und Ursula Kudrna sorgte für die schönen Kostüme.

In den tragenden Rollen sind in Mainz Derrick Ballard als virtuoser Saul, Steven Ebel als eindrucksvoller Jonathan und Christine Haase als Merah zu erleben. Alin Deleanu begeistert als junger David, Dorin Rahardja als Michal und Alexander Spemann als Hexe von Endor. In der fast dreistündigen Aufführung begeistern neben den Solisten ganz besonders Chor und Extrachor des Mainzer Staatstheaters in der glanzvollen Einstudierung Sebastian Hernadez-Lavernys. Da sie der Aufführung besonderes Gewicht verliehen, wurden sie vom begeisterten Publikum mit riesigem Beifall und Bravos, die kaum ein Ende nehmen wollten, zu Recht stürmisch gefeiert.

Die nächsten Vorstellungen sind am 3., 12., 20. und 29. Dezember - Kartentelefon 0 61 31 - 28 51 - 222