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Enoch zu Guttenbergs Ehrung und ein „Heimspiel“ für Andreas Scholl

Die Chorgemeinschaft Neubeuern bannte die Zuhörer - Geigerin Anne Sophie Mutter bescherte einen mitreißenden Konzertabend            Rheingau Musik Festival Teil XV           von Britta Steiner Rinneberg

04.09.17 || altOESTRICH-WINKEL (03. September 2017) - Nach Andreas Scholls bejubeltem „Stabat mater" als Heimspiel für den Kiedricher Countertenor und nach Igor Levits unter Leitung Lionel Bringuiers mit dem Tonhalle Orchester Zürich unter Leitung Lionel Bringuiers dargebotenem Konzert mit Werken von Beethoven, Grieg und Edward Elgar erfreute vor allem Bruckners Sinfonie Nr.9 die erwartungsvollen Zuhörer. Das „Te Deum" gilt als sein ganz persönlicher Blick auf ein Leben nach dem Tod. Es fesselt mit ebensoviel Monumentalität wie Innigkeit und wird als des Komponisten letztes sinfonisches Werk gefeiert.

altVerleihung des RMF-Preises 2017 an Ennoch zu Guttenberg in Eberbach

Enoch zu Guttenberg, der mit seinen Musikern nicht weniger als 26 mal im Rheingau zu Gast war und somit zum „alten Stamm" des Festivals gehört, wurde mit der Chorgemeinschaft Neubeuern in der Eberbacher Basilika mit dem Rheingau Musikpreis ausgezeichnet. Die Aufführung galt als eine der wichtigsten des RMF. Sie warf einen sehr persönlichen Blick Bruckners auf das Leben nach dem Tod und berührte die Menschen zutiefst. Mit exakter Gliederung der einzelnen Teile sorgte Guttenberg immer wieder für Steigerungen, die zu Fortissimo-Gipfeln führten und das Publikum fast unheimlich bannten.

Für Bruckner-Verehrer das „Te Deum"


Waren es im ersten Teil die grandiosen Bläser, die mit Farbe prangten, so prägten nach der Pause die Streicher die Dämonie des Klangbildes. Als faszinierender Abschied fesselte vor allem das Adagio die gespannt lauschenden Besucher. Das grandiose Chorwerk, mit dem Großmeister Bruckner dem 19.Jahrhunderts Valet sagte, erfuhr unter Guttenbergs Dirigat eine exzellente Aufführung, die von den vielen Verehrern des Komponisten ganz besonders gefeiert wurde und im Gedächtnis haften blieb.

Nach dem im Gedenken an Prades aufgeführten Beethoven-Konzert, in dem Veronika Eberle (Geige) und Isang Enders (Cello) unter Leitung Igor Levits gebührend gefeiert wurden, nach Andreas Scholls Konzert in der Basilika mit Vivaldis „Stabat Mater", den Marienlegenden des 17,Jahrhunderts und der „ Last night" mit dem Tonhalle-Orchester Zürich standen in Johannisberg noch der „Baroque Blues" ins Haus, der mit Werken Bachs, Vivaldis, Piazollas und Chick Coreas fesselte und die Aufführung des Stuttgarter Kammerorchesters, über die wir demnächst berichten werden.

Anne Sophie Mutter beglückte mit Lutoslawski und Dvorak


Noch bevor Anne Sophie Mutter, die seit 20 Jahren regelmäßig im Rheingau Musik Festival zu Gast ist, unter Manfred Honecks Leitung mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra im Kurhaus gastierte, waren das Züricher Kammerorchester mit „Oriental Spirit", der Countertenor Andreas Scholl und die Accademia Bizantina mit Anrtonio Vivaldis „Stabat mater" und die „Hamburger Ratsmusik" mit „Der König tanzt" und in Johannisberg der „Barock blues" mit Werken von Bach, Vivaldi, Piazolla und Chick Corea zu erleben und begeisterten.

altAnne Sophie Mutter und das Pittsburgh Sinfony Orchestra im Kurhaus Wiesbaden

Das Publikum feierte vor allem die exzellente Geigerin Anne Sophie Mutter, die in ihrem Jubiläumsjahr natürlich nicht fehlen durfte und ihrem großen Publikum mit Werken von Lutoslawski und Dvorak einen Konzertabend bescherte, der alle hinriss.

Ihrem Bemühen, sich einem Werk immer wieder „neu" zu nähern und den Zuhörern etwas zu vermitteln. das unter die Haut geht, wurde die gefeierte Künstlerin voll gerecht. In hervorragender Zusammenarbeit mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra bescherte sie dem ausverkauften Haus wiederum einen mitreißenden Abend, der erkennen ließ, wie präzis und detailgerecht sie zu arbeiten pflegte. Das begeisterte Publikum hofft, die gefeierte Geigerin und Perfektionistin, die es von deren Anfängen her kennt, vielleicht schon im einem der nächsten Jahre wiederhören zu können.

Ovationen für Countertenor Andreas Scholl


Auch Countertenor Andreas Scholl hatte sich im Eberbacher Gotteshaus um einen Mangel an Zuhörern keine Sorgen machen müssen: Nicht nur die Einheimischen waren in hellen Scharen erschienen, um den inzwischen weltbekannten „Kiedricher" mit Riesenbeifall zu feiern! Unter Alessandro Tampieris Dirigat brachte der Sänger, dem die Accademia Bizantina aus Ravenna zur Seite stand, nicht nur Vivaldis unter die Haut gehendes „Stabat mater" zu Gehör, sondern neben Marienlegenden aus dem 17.Jahrhundert auch Werke von Nicolo Porpora, Leonardo Vinci und Pasquale Anfossi.

altDer Rheingauer Countertenor Andreas Scholl bei seinem Konzert
. Fotos (3): RMF/A. Klostermann

Der Countertenor, zu dessen Favoriten seit jeher geistliche Werke zählen, brauchte auf Widerhall nicht lang zu warten. Der Beifall in der Eberbacher Basilika für den berühmten Sohn der Region, der schon vor 30 Jahren als Statist bei den Dreharbeiten zu „Der Name der Rose" mit der Öffentlichkeit Bekanntschaft machte, wollte einfach kein Ende nehmen. Besonders im packenden „Stabat mater" ließ der Sänger den alle mitfühlenden, bodenlosen Schmerz einer gemarterten Mutter mitfühlen. Lang anhaltender, großer Beifall der stark betroffenen Zuhörer war der ehrliche Dank an den allen bestens vertrauten, ehemaligen Chorbuben" und heute zu recht gefeierten großen Sänger, dessen wunderbare Stimme alle schlichtweg bannte.