In ganz Hessen hat in den vergangenen Tagen die winterliche Witterung nicht nur Kälte und Schnee gebracht, sondern auch ungewöhnlich hohe Feinstaubwerte.
mehr dazu20.01.12 ||
MAINZ (19. Januar 2012) - Verdis als Auftragswerk des Teatro San Carlo Neapel entstandenes, 1859 in Rom uraufgeführtes Melodramma „Un ballo in maschera" , das ursprünglich „Gustavo
III." hatte heißen sollen und den Tod und die unerlaubte Liebe eines Königs zur Frau seines besten Freundes und Ratgebers zum Thema hatte, machte einen langwierigen Entstehungsprozess durch: Weil
Königs -und Tyrannenmorde angesichts des 1749 erfolgten, aber misslungenen Attentats auf Napoleon III. nicht nur in Italien auf offener Szene verboten waren, mussten der Komponist und sein Librettist
Antonio Somma gravierende Änderungen vornehmen:
Ballszene kurz vfor der Ermordung
Riccardos.
Sie verlegten die ganze Geschichte kurzerhand nach Nordamerika. Aus Gustavo wurde der Gouverneur Riccardo, aus Freund Anckerström der Seretaär Renato, aus den Grafen Horn und Ribbing, des Königs erbitterten Gegnern, das Intrigantenpaar Samuel und Tom und aus der Zigeunerin Ulrica eine moderne Wahrsagerin. Die Tragödie, in der leidenschaftliche Liebe und staatsmännisches Versagen, Komplotte, Wahrsagerei, Maskeraden, groteske Komik, Intrigen und blutige Rache eine seltsame Mischung eingehen, steht in Tatjana Gürbacas Einstudierung als erste Musiktheaterpremiere des neuen Jahres in Mainz auf dem Spielplan und wurde trotz des desillusionierenden Bühnenbildes vom Premierenpublikum mit viel Beifall bedacht. Er galt in erster Linie Ruth Staffa als Amelia und dem dankenswerterweise ganz kurzfristig für den erkrankten Zurab Zurabishvili eingesprungenen Tenor Richard Carlucci, der aus Erfurt anreiste und die Partie von der linke Bühnenseite aus sang, während der hauseigene Sänger sie stumm auf der Bühne markierte. Ein Wagnis, das Theater hin und wieder eingehen müssen, um eine Aufführung zu retten. In diesem Fall ein Glückstreffer: Die beiden Riccardos ließen einander nicht aus den Augen und korrespondierten vortrefflich!
Die neu engagierte Sopranistin Ruth Staffa, die zur Spielzeiteröffnung als Isolde (zumindest stimmlich) hell begeisterte, singt auch die Partie der von zwei Männern geliebten Amelia mit dramatisch aufgeladenem, auch in großer Höhe sicherem, strahlkräftigem Sopran und gibt der sich im Zwiespalt Befindlichen überzeugenden Ausdruck. Verzweifelt sucht sie die Wahrsagerin auf, um ein Mittel gegen ihre verbotene Liebe zu bekommen. Ein verhängnisvoller Gang, der ihr Schicksal besiegelt.
Heikki Kilpelainen gibt mit seinem warm timbrierten, sicheren Bariton ihren Ehemann Renato: Den umsichtig und staatsmännisch denkenden und handelnden Berater und Freund des Gouverneurs, der dem Publikum aufs Maul schaut und, ganz im Gegensatz zum realitätsfernen, naiven Riccardo, die drohende Verschwörung frühzeitig erkennt, warnt und zur Vorsicht mahnt . Anfangs noch etwas steif, steigert er sich zunehmend und läuft im dramatischen zweiten Akt zu großer Form auf. Sonja Anastasia fasziniert mit dunkel getöntem Alt und behändem Spiel als Ulrica, die das unabwendbare Unheil kommen sieht. Flexibel auch Tatjana Charalgina die Fäden spinnender Page Oscar, der seine Vorzugsstellung im Haus bewusst auskostet und Hans Otto Weiß und Jose Gallica als Intriganten Samuel und Tom.
Das Ehepaar Renato und Amelia in der
zertrümmerten Wohnung. Fotos: Staatstheater Mainz/Martina Pipprich
Silke Willstreit und Marc Weeger schufen die Bühnenbilder mit dem Empfangsraum des Gouverneurs, mit Ulricas kaum Furcht erregendem Quacksalber- Unterschlupf und dem keineswegs unheimlichen, „finsteren Ort", auf dessen mit weißen Bahnen bemaltem schwarzem Boden sich die Figuren bewegen. Renatos Haus, in das er die Intriganten zur konspirativen Sitzung eingeladen hat, ist nur ein schäbiges, kleinbürgerliches Gehäuse, in dem er gerade alles kurz und klein schlägt, während Amelia am Bügelbrett steht und als gute Haufrau eben noch schnell die Wäsche plättet.... Doch der tief getroffene Ehemann, der das Ende seiner Liebe gekommen und keine andere Lösung sieht, denkt im letzten Moment noch einmal um: Nicht Amelia soll sterben, wie eigentlich vorgesehen, sondern der Freund und schamlose Verräter! Der Maskenball mit seinem bunten Getümmel, zu dem der Gouverneur alle eingeladen hat, kommt ihm als „Tatort" gerade recht. Und hier geschieht es dann auch: Als Riccardo und Amelia sich trotz Maskerade unter den tanzenden Paaren erkennen und einander heimlich noch einmal ihre Liebe gestehen, zückt der auf der Lauer liegende Renato den Dolch und sticht zu. Der Ermordete beteuert im Sterben noch einmal die Unschuld der Geliebten, erkennt seine schwere Schuld und vergibt dem Mörder wie den Verschwörern. Ein gespenstischer Totentanz der Gäste hebt an, während der Ermordete durch eine sich öffnende Tür in ein „blumiges Jenseits" entweicht.
Das Philharmonische Staatsorchester zeigte sich von den Pianotakten des Vorspiels über den „Schauder" des Galgenbergs bis zum Mord im Ballsaal in bester Form. Unter Andreas Hotz` straffer, aber sensibler Leitung erfuhr Verdis nach der Pause an Dynamik und Schärfe zunehmende, melodienreiche Tragödie, die bereits auf sein Spätwerk hinweist, eine bemerkenswerte Wiedergabe, in der es ihm gelang, die dramatischen Kontraste von Lebensgier und Todesangst eindrucksvoll heraus zu arbeiten.
Die nächsten Aufführungen sind am 27. Januar sowie 04. und 29. Februar 2012 - Kartentelefon unter 0 61 31 - 28 51 - 222
In ganz Hessen hat in den vergangenen Tagen die winterliche Witterung nicht nur Kälte und Schnee gebracht, sondern auch ungewöhnlich hohe Feinstaubwerte.
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