In ganz Hessen hat in den vergangenen Tagen die winterliche Witterung nicht nur Kälte und Schnee gebracht, sondern auch ungewöhnlich hohe Feinstaubwerte.
mehr dazu10.01.12 ||
RHEINGAU/WIESBADEN (08. Januar 2012) - Mit vier vorweihnachtlichen Veranstaltungen setzte das Rheingau Musik Festival den Schlusspunkt hinter das reichhaltige Angebot erlesener großer
und kleinerer Konzerte, mit denen es nicht nur die Musikfans der Region den ganzen Sommer über zu Tausenden in den Rheingau lockte. Ein klangvoller „Nachschlag", der die Besucher mit adventlicher
Musik auf die bevorstehenden Feiertage einstimmte.
Die bereits zur Tradition gewordene festliche TROMPETEN- GALA lockte mit zwei vorweihnachtlichen Aufführungen und einem Benefizkonzert (dessen Erlös der Geisenheimer Heilig-Kreuzkirche für Restaurierungsarbeiten zur Verfügung gestellt wurde) in den „Rheingauer Dom". Mit Edgar Krapp an der Orgelbank kamen Suiten, Sonaten und Konzerte aus dem Hochbarock für Trompetenensemble und Orgel zu Gehör, sowie Choralbearbeitungen für die Weihnachtszeit von I.S. Bach und anderen Meistern der Epoche. Wer das von Arnold Mehl dirigierte Münchner Ensemble einmal gehört hat, weiß um die Virtuosität der berühmten Bläser, den festlichen Klang ihrer Instrumente und die harmonierende Paarung von Orgel und Trompeten und wird im nächsten Jahr mit Gewissheit wiederkehren!
Ausschnitt aus einem
Konzert der Windsbacher Knaben.
Auch in der im 12.Jahrhundert von Hildegard von Bingen gegründeten, hoch über dem Rhein gelegenen Abtei St. Hildegard fand sich kurz darauf ein interessiertes Auditorium ein, um im sakralen Ambiente den klangschönen Darbietungen des 1991 von Vadim Ptcholkin gegründeten PETERSBURGER KNABENCHORES zu lauschen. Die Tradition dieser russischen Chöre reicht weit zurück, bis ins Mittelalter, als Frauen und Mädchen das Musizieren in Kirchen noch gänzlich untersagt war. Sie hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten und erfreut sich gerade im Ausland großer Beliebtheit. Der erst seit zwanzig Jahren bestehende Chor aus A-Capella-Spezialisten kam mit abwechslungsreichem Programm in den Rheingau und stimmte neben althergebrachten russischen Weisen in erstaunlich verständlicher Aussprache auch beliebte deutsche Weihnachtslieder an, die das große Publikum leise mitsummen ließen.
Festlich und stimmungsvoll ging es auch beim Adventskonzert im Wiesbadener Kurhaus zu, in dem die CHORGEMEINSCHAFT NEUBEUERN, sowie Gesangs-und Instrumentalgruppen unter Leitung ihres Gründers und
künstlerischen Leiters Enoch zu Guttenberg den pompösen Kurhaussaal mit „Alpenländischem" erfreuten: Von Generation zu Generation weiter getragenen Liedern und Weisen, die sich unverändert erhalten
haben. Beim Klang von Harfe, Orgel, Gitarre und Zither, Hackbrett, Glocken, Waldhorn und vier Alphörnern fühlte sich das Publikum im Geist in die tief verschneiten einsamen Bergdörfer des Alpenraumes
versetzt, in denen ein großer Teil der für die Festzeit komponierten Lieder und Musikstücke entstand. Wandermusikanten und musizierende Handwerker trugen sie später weiter und machten sie sogar in
den Metropolen Nordamerikas heimisch.
Wie tief das Christfest und seine überlieferten Legenden gerade m Bewusstsein der Bergbevölkerung verankert sind, brachten die unter Guttenberg auf hohem Niveau singenden Choristen klangschön und verinnerlicht zum Ausdruck. Das Publikum hörte ihnen ebenso andächtig zu wie den Beiträgen des CHIEMGAUER SAITENENSEMBLES, des virtuosen FÜRSTENSTÄTTER HORNQUARTETTS und den Rezitationen des Schauspielers Gerd Anthoff. Die sich in Bestform präsentierende berühmte Chorgemeinschaft, die sich aus Mitgliedern der Staatsoper München, des Rundfunkorchesters, der Dortmunder Philharmonie und des Staatstheaters Gärtnerplatz zusammensetzt, wurde 1967 von Guttenberg ins Leben gerufen, inzwischen mit vielen hohen Kulturpreisen bedacht und bestreitet heute die großen Oratorienaufführungen in München. Dirigent, Organist und Harfenist Robert Schlee, Sänger und Musiker bescherten dem Publikum einen mit stürmischem Applaus bedachten, gleichermaßen besinnlichen wie fröhlichen Spätvormittag im Kurhaus, an dessen Schluss Guttenberg alle im Saal zum Mitsingen von „Adeste fideles" einlud. Eine Ermunterung, der die Zuhörer im ausverkauften Saal mit sichtlichem Vergnügen folgten.
Zu einem weiteren Konzert besonderer Art hatte das RMF kurz vor dem Fest noch in den Friedrich-von-Thiersch-Saal eingeladen, und alle kamen, um sich den vorläufig letzten Rheingau-Auftritt des zu den
weltbesten Knabenchören zählenden Windsbacher Knabenchors nicht entgehen zu lassen! Ein Abschiedskonzert: Denn Karl-Friedrich Beringer, der passionierte Musiker und agile, langjährige Dirigent, der
den Chor zum Erfolg führte, geht nach 34 Jahren in den Ruhestand, um die jungen Sänger seinem Nachfolger Martin Lehmann anzuvertrauen, der ab Februar die Leitung des Vokalensembles übernimmt.
Eine Ära geht zu Ende.
Karl Friedrich Beringer,
der scheidende Leiter der "Windsbacher Knaben". Fotos Archiv RMF/Milan Pavan
Das erfüllt nicht nur das Publikum mit Wehmut, das das Wachsen und Werden des 2007 mit dem Rheingau Musikpreis ausgezeichneten Chores von seinem ersten Auftritt an mit ebensoviel Interesse wie Freude verfolgte, sondern auch Michael Herrmann, den Initiator und künstlerischen Leiter des Rheingau Musik Festivals, der den Abschied des charismatischen Leiters tief bedauert und ihm seinen Dank in sehr persönlichen Worten aussprach: „Mit Herrn Beringer verliert das Festival einen hoch geschätzten Künstler und treuen Freund, der fast jährlich in den Rheingau wiederkehrte, um dem jährlich angewachsenen Hörerkreis mit seinen jungen Sängern unvergessliche Stunden zu bescheren.
Der vorläufig letzte Auftritt des Vokalensembles im Rheingau fesselte mit festlichen Hymnen von Telemann, Händel, Brahms, Purcell, Guilmant und mit Weihnachtsliedern aus Portugal, England, Frankreich, Jugoslawien, Böhmen und Ungarn, bei denen erneut faszinierte, mit welcher Inbrunst die jungen Sänger sie völlig frei von Kitsch oder Süßlichkeit, tonschön interpretierten! Doch nicht nur die schiere Freude am Singen steht dahinter, sondern auch harte Arbeit, Fleiß und die liebevolle Führung ihres Leiters, dem der Chor seine gleich bleibende Qualität, Begeisterung, Tonreinheit und erstaunliche Präzision verdankt: Ein Fundament, wie Beringers Nachfolger es sich nicht solider wünschen kann!
Dass Singen die ursprünglichste Art des Musizierens ist und direkt in die Seele geht, spürt der Besucher sofort, gleichviel, ob es sich um A-Capella-Konzerte oder oratorische Werke handelt! Im Kurhaus beglückten die „Windsbacher" , Startrompeter Joachim Pliquett und Organist Arvid Gast mit einem von Festglanz überstrahltem, wundervollem Abschiedsabend, den der scheidende Dirigent mit „Ich steh an deiner Krippen hier", einem der schönsten alten Weihnachtslieder, besinnlich abschloss. Langer, langer Beifall für den Dirigenten und seine „Buben"! Das Publikum hofft inständig, den beliebten Chor auch in den nächsten Jahren im Rheingau wieder hören zu können!
In ganz Hessen hat in den vergangenen Tagen die winterliche Witterung nicht nur Kälte und Schnee gebracht, sondern auch ungewöhnlich hohe Feinstaubwerte.
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