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Kunst & KulturBühne › „Nutzt ja nix, muss ja weitergehen“

„Nutzt ja nix, muss ja weitergehen“

Fritz Rémond-Theater im Zoo mit „Winterrose"           von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

13.09.19 || altFRANKFURT (12. September 2019) - „Nutz ja nix, muss weitergehn", das meint der Gärtner Horst (Gabriel Spagna), der im Park Sträucher setzt und mit Harke und Abfalltonne für Ordnung sorgt. Und der Spruch, den er oft wiederholte, ist fast ein Motto. Er ist ein Alltagsphilosoph, der mit seinen bodenständigen Ratschlägen zwei Menschen gern helfen will. Und diese beiden Menschen treffen sich zufällig immer wieder auf einer weißen Parkbank gegenüber von Cafe Kindermann. Sie - Elisabeth (Verena Wengler), eine durchaus noch attraktive, muntere Mittfünfzigerin, die ständig quasselt- und er - Anton (René Toussaint), Bildungsbürger, der gerne seine Zeitung studieren möchte, oder in Ruhe Dantes „Die Göttliche Komödie" lesen will.

All das bringen die drei Protagonisten mit Charme, exzellenter Mimik und gekonntem Spiel auf die Bühne. Die Kulisse ist einfach: eine weiße Parkbank, ein paar Säulen, von Efeu umrankt und ein Abfallkübel. Von der Bank aus will Elisabeth, die Kontaktannoncen unter dem Namen „Winterrose" aufgibt, eine Vorauswahl treffen, indem sie die Anwärter, die das Cafe betreten - Kennzeichen Zeitung unterm Arm - mit einem Fernglas beobachtet. Anton schaut lieber den Enten im Teich bei ihrem Paarungsverhalten zu, denen er so literarische Namen wie Tatania und Oberon, Güldenstern und Rosenkranz gegeben hat.

„Ach, sie lesen eine Komödie, das Buch ist aber sehr dick!" meint Elisabeth und will nicht glauben, dass Dantes Werk auch von der Hölle und dem Inferno handelt und Komödie „Spiel" bedeutet. Elisabeth plaudert unbekümmert über ihre Treffs im Cafe mit Männern, die ein glatter Reinfall waren. Ein Hundebesitzer hat ihr beinahe den Kopf gestreichelt, als er sagte „Du bist aber eine ganz Feine", ein Muttersöhnchen bemängelt, dass sie seiner Mutti gar nicht ähnlich sieht und sogar ein Lateiner hat sich ihr vorgestellt, für den sie lateinische Pflanzennamen gebüffelt hat.

Anton ist genervt, und das Radio von Gärtner Horst tut sein übriges dazu. Es ist auf einen Schlager-Schnulzen-Sender mit Hörerwünschen eingestellt. Horst schaltet es immer ein, wenn er sein Pausenbrot vertilgt, und „Ein Stern,der Deinen Namen trägt" oder „Über sieben Brücken musst Du gehen" oder auch „Santa Maria" stören neben der Quasselstrippe und Kontakt suchenden Elisabeth den Dante-Leser erheblich. Rene Toussaint spielt den bedrängten Anton sehr überzeugend, alleine seine Gesten und die herunter gezogenen Mundwinkel sprechen Bände.

Trotzdem verlegt der Ruhesuchende seinen Yoga-Kurs von Donnerstag auf Mittwoch, weil Elisabeth an diesem Tag immer auf der Bank sitzt, um das Cafe zu beobachten. Zunehmend ist zu bemerken, wie er sich einlässt auf Elisabeth und sie sich auf ihn.

Verena Wengler hat natürlich in Elisabeth die aktivere Rolle, die sie auch perfekt ausfüllt. Sie ergänzt sich vorzüglich mit Toussaint und Spagna. Winterrose ist ein stilles Stück, sogar romantisch, und ob das Ende ein Happy- End ist, bleibt ein wenig offen. Es bietet jedoch die Möglichkeit, sich über das Verhalten von Männern und Frauen zu amüsieren, es verzichtet auf Klamauk, ist aber niemals langweilig. Erfreulich, was aus der Feder bzw. den Computer-Tasten der Autoren Christa, Agilio und Michael Dangl geflossen ist.

Verdienter, herzlicher, anhaltender Beifall belohnte die Schauspieler zum Ende der Vorstellung. Ein Besuch sei von uns sehr empfohlen! Die Aufführungen enden am 13.Oktober.

Regie führt Udo Schürmer. Das Bühnenbild stammt von Tom Grasshof.

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