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Kunst & KulturBühne › Die Crux mit den vier Schwiegersöhnen

Die Crux mit den vier Schwiegersöhnen

Es kommt alles anders als man denkt - „Monsieur Claude und seine Töchter" in der „Komödie"           von Karl-Heinz Stier

27.12.17 || altFRANKFURT (26. Dezember 2017) - Dem französischen Komödienhit ist ein erfolgreicher Film mit vier Millionen Zuschauer in Deutschland und 16 Millionen Zuschauern in Frankreich 2014 vorausgegangen. Im Gegensatz zu vielen Theaterbesuchern hat der Chronist diesen Streifen nicht im Kino gesehen. Sein Urteil fußt allein auf der Komödie nach dem gleichnamigen Film von Philippe de Chauveron und Guy Laurent, auf der Bühne von Frank-Lorenz Engel inszeniert. Nach dem Programmheft ist lediglich der Inhalt bekannt. Und der soll nach den Vorstellungen des Autors Denkanstöße für Toleranz und friedliches Miteinander geben - und das im komischen und sympathischen Gewande und zielt gelegentlich auf den Zeitgeist von heute ab.

altDie Gesamt-Besetzung von Monsieur Claude und seine Töchter v.l.n.r.: Hinter dem Sofa: Isabel Berghout, Sophie Maria Ammann, Carolin Jakoby, Deborah Müller, Ouadirh Ait Hamou, Marcus Abdel-Messih, Yusuke Yamasaki, Felix Frenken. Auf dem Sofa: Claus Helmer, Christine Glasner

Ausgangspunkt des Stücks ist die Ehe von Monsieur Claude (dargestellt von Claus Hemler, dem Theaterdirektor der „Komödie"). Er ist Notar und stockkonservativer Gaullist, erzkatholisch, dem sein Vaterland über allem steht („Ich bin kein Rassist, aber Patriot"). Er hätte gern französische Schwiegersöhne. Mit seiner Ehefrau Marie (Christine Glaser, in der Realität die Ehefrau Helmers) führt er ein zufriedenes Leben in der französischen Provinz samt vier ziemlich gut aussehenden Töchtern. Beide Hauptdarsteller fühlen sich offensichtlich wohl in ihren Rollen. Doch der idyllische Frieden bröckelt mit den Hochzeiten der drei älteren Töchter Isabelle (Debora Müller(, Michelle (Sophie Maria Amman) und Adele (Carolin Jakoby).

Nicht aber einen Franzosen bringen sie nach Hause, sondern einen erfolglosen jüdischen Geschäftsmann Abraham (Marcus Abdel-Messih), einen arabisch abgestammten Moslem Benassem ((Quadirh Ait Hamou) und den chinesischen Bankier Chao Ling (Yusuke Yamasaki), der eigentlich ein Japaner ist gleichsam. Es ist gleichsam ein interkulturelles Minenfeld, das sich in den Dialogen etwas lange hinzieht. Nach einer gemeinsamen Weihnachtsfeier mit den verheirateten drei Kindern ist der Familienfrieden einigermaßen wieder hergestellt. Freilich fehlt es dem ersten Teil von der Handlung her an Dynamik, obwohl die Szenen in der Regel kurz sind und durch Tanz - und Musikeinlagen im Halbdunkel der Bühne die Umbaubauarbeiten überbrücken helfen(Bühne: Steven Koop).

Die beiden Väter als Streithähne: Claus Helmer, Eddie Jordan. Fotos(2):Komödie/ Helmut Seuffert

Zum Schluss harmonieren Toleranz und friedliches Miteinander


Bleibt noch die jüngste Tochter Laure (Isabel Berg) im zweiten Teil des Komödienhits. Auf ihr ruhen nun alle die Hoffnungen der frustrierten Eltern. Und das lässt sich gut an: ihr Geliebter heißt Charles (wie de Gaulle) und ist katholisch, aber auch Schauspieler(Felix Frenken). Als sich aber herausstellt, dass er dazu noch Schwarzafrikaner ist, erlebt Claude einen „schwarzer Schock". Und als dann noch dessen Eltern Andree Koffi und Madeleine aus Abidjan bunt gekleidet mit Koffern ankommen und damit drohen, 400 Gäste zur Hochzeit einzuladen, gerät die Familienwelt des Notars ganz aus den Fugen. Die Szenenspiele werden rasanter, auch dank der mit 13 Personen stark besetzten Schauspieler-Crew, wobei Pascal Simon Grote als Vierfachdarsteller in der Person eines Pfarrers, eines Rabbi, Psychiaters und eines Polizisten als Bühnen-Newcomer für Kurzweil sorgte.

Die mehr oder weniger bösen Witze, die über den einen oder anderen gerissen wurden, amüsierten freilich das Publikum und forderten die Darsteller zum Schluss mehrfach zum Wiedererscheinen auf der Bühne auf. Dass das Stück schließlich zu einem Happy End kommt und im Wesentlichen über den Alkoholkonsum der beiden Väter Claude und Andree herbeigeführt werden, ist zwar amüsant, aber nicht gerade stringent (streng) logisch. Vor allem als dann Toleranz und friedliches Miteinander harmonieren. Aber die Zuschauer freuten sich nach Herzenslust über die beiden Streithähne und deren Versöhnung.

Diese Vorstellung und Karten gibt es noch bis zum 4.Februar in der „Komödie" Frankfurt, Neue Mainzer Str. 14-18, Tel 069 - 28 45 80 oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. und www.die komoedie.de (Di-Sa um 20 Uhr, So 18 Uhr, montags spielfrei

1.1.18 keine Vorstellung, 31.12. (18.30 und 22.30 Uhr) ausverkauft