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Kunst & KulturAusstellungen › Ikonisch sind seine Porträts von Angela Merkel

Ikonisch sind seine Porträts von Angela Merkel

Andreas Mühe: Stories of Conflict - 45 Fotoarbeiten im Städel           von Karl-Heinz Stier

10.02.22 || altFRANKFURT (09. Februar 2022) - Andreas Mühe zählt zu den bekanntesten Künstlern in Deutschland. In seinen Fotografien befasst er sich mit soziologischen, historischen und politischen Themen, die er in besonderen Umgebungen aufwendig mit Lichtkontrasten inszeniert. Das Städel Museum zeigt vom 16. Februar bis zum 19. Juni 2022 eine Einzelausstellung mit rund 45 Arbeiten, darunter bekannte und unbekannte Werkzyklen aus seinem bisherigen Œuvre sowie die erstmals präsentierte Serie Tschernobyl II (2021). Mühe beschäftigt sich in seinen Werken mit der Zuschreibung zu kollektiven Kategorien wie Familie, Nationalität, Politik oder Kultur als Konstrukt einer sozialen Ordnung.

Ein Beispiel der 45 Fotografien: „Der Stall" von Andreas Mühe. Copyright: Städel

Ikonisch sind seine Porträts von Angela Merkel, die er als Bundeskanzlerin auf mehreren Reisen begleitete und deren Habitus er eingängig analysierte. Wie sehr diese Aufnahmen von einer politischen Bildsprache bestimmt sind, wird in weiteren Fotografien der Kanzlerin deutlich, auf denen die Mutter des Künstlers als Double zu sehen ist. Was echt, was inszeniert ist, verschwimmt - sowohl in den offiziellen wie in den nachgestellten Fotografien.

Auch Mühes in Wandlitz fotografierte Häuser der SED-Führung wirken im dunklen Umraum wie Attrappen und lassen ihre historische Rolle nicht erkennen. Mühe verwendet eine Großbildkamera, die aufgrund ihrer schweren Handhabung eine komplexe Komposition voraussetzt. Mit pointierter Ästhetik zeigt er historische Ereignisse oder deren Orte in einer überzeitlichen Nachinszenierung. Er sucht nicht Abbilder, sondern Bilder, in denen er die gegebenen Inhalte - Menschen, Architektur oder Landschaften - neu interpretieren kann. Mit den Sehgewohnheiten des Betrachters spielend, schließen Mühes Arbeiten an Städel Werke seiner Fotografen-Kollegen Rodney Graham oder Thomas Demand an.

Philipp Demandt: „Mühe wühlt Mühe akribisch in der deutschen Geschichte"


„Es sind die Auseinandersetzungen mit Brüchen in der Gesellschaft, mit Gewalt, mit deutsch-deutscher Identität sowie die Befragung seiner selbst und der eigenen, komplexen Familiengeschichte, die sein Schaffen bestimmen. Das Städel Museum präsentiert als erste Ausstellung im Jahr 2022 Fotografien von Andreas Mühe. Erst jüngst konnten wir für die Sammlung sein Werk Unterm Baum aus dem Jahr 2008 erwerben. Wie kaum ein anderer Fotograf der Gegenwart wühlt Andreas Mühe akribisch in der deutschen Geschichte und unserer Erinnerungskultur", so Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums.

Seine Fotografien fordern immer einen zweiten Blick


Kristina Lemke, Sammlungsleiterin Fotografie und Kuratorin, über die Ausstellung: „Andreas Mühes Fotografien fordern wie in einem Vexierspiel immer einen zweiten Blick. Seine Arbeiten wirken zunächst bekannt, doch Mühe bricht mit den Erwartungen und zeigt, wie trügerisch ästhetisierte Bilderwelten sein können."

Andreas Mühe (geb. 1979 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz) lebt und arbeitet in Berlin. Nach einer klassischen Ausbildung zum Fotolaboranten bei PPS Berlin und Labor Pixel Grain machte sich Mühe 2001 als freischaffender Fotograf selbstständig. Spezialisiert auf Porträt- und Magazinfotografie nahm er in den ersten zehn Jahren seiner Karriere Aufträge für das „Süddeutsche Magazin", „Die Zeit", „Monopol" oder „Vanity Fair" an. Die Arbeiten von Mühe wurden national und international präsentiert. Großangelegte Einzelausstellungen fanden in den Deichtorhallen Hamburg (2017) und in der Berliner Nationalgalerie Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwartskunst, Berlin (2019) statt, und sorgten für viel Aufsehen. Der Künstler erhielt zahlreiche Fotografie-Preise.