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Kunst & KulturAusstellungen › Reliquie des Apostels Bartholomäus jetzt in der Wahlkapelle

Reliquie des Apostels Bartholomäus jetzt in der Wahlkapelle

Das Schmuckkästchen im Dom: Wahlkapelle nach Umbau- und notwendigen Renovierungsarbeiten wieder offen           von Ralph Delhees

28.12.19 || altFRANKFURT (26. Dezember 2019) - Ein Tag vor Heilig Abend wurde nach abgeschlossenem Umbau- und notwendigen Renovierungsarbeiten die Wahlkapelle der Könige und Kaiser im Bartholomäus-Dom wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Über Jahrhunderte war der heutige Frankfurter Dom als Salvatorbasilika bekannt, bis sie im Jahr 1239 als wertvolle Reliquie die Schädeldecke des Apostels Bartholomäus erhielt. Seitdem ist der Dom die Patronatskirche des Apostels und trägt seinen Namen, im gleichen Jahr begann auch der Bau des heutigen gotischen Bartholomäus-Dom, dem im Jahre 1425 die Wahlkapelle angebaut wurde. Sie ist ein Teil der Kulturgeschichte Frankfurts. Die jetzt getätigten Restaurierungsarbeiten und Neugestaltung der Wahlkapelle haben rund 260.000 Euro betragen, Stadt und das Bistum Limburg trugen jeweils die Hälfte der Kosten. Kirchendezernent Uwe Becker und Stadtdekan Johannes von Eltz sind zufrieden mit dem Ergebnis der umgestalteten Wahlkapelle.

Schon die Vorgänger des Frankfurter Dom haben Geschichte geschrieben, so die Synode von794 an der Karl der Großen teilnahm, oder Kaiser Ludwig I. (Sohn und Nachfolger von Karl dem Großen), der Frankfurt immer wieder besuchte und mit König Lothar II. fand im Jahr 855 die erste Krönungswahl in der Salvatorkirche statt. In der jetzt restaurierten Wahlkapelle wurden von1562 bis 1792 zehn Könige Kaiser desHeiligen Römischen Reiches der Deutschen Nation gewählt und im Frankfurter Dom gekrönt.

Kirchendezernent Uwe Becker, Stadtdekan Johannes zu Eltz und Architekt Christoph Mäckler in der sanierten Wahlkapelle. Foto: ffm/pia

„Unser Kaiserdom St. Bartholomäus mit der Wahlkapelle gehört zur Kulturgeschichte der Stadt Frankfurt am Main, wie auch zur Geschichte Europas. Aus diesem Grund ist es mir persönlich ein Anliegen, diesen geschichtsträchtigen Ort entsprechend seiner Bedeutung Wirkung entfalten zu lassen", betont Becker. „Zudem wollten wir die kostbare Reliquie des Apostels Bartholomäus, eine der bedeutensten Reliqiuen nördlich der Alpen, an einem besonderen Ort platzieren und gleichzeitig auch einer breiteren Öffentlichkeit einen besseren Zugang zur Reliquie ermöglichen. In der Wahlkapelle ist das außergewöhnlich gut gelungen."

Reliquie des Apostels Bartholomäus neu positioniert


Bei den Arbeiten, die von Mäcklerarchitekten durchgeführt wurden, bekam der Altar eine neue Position. Die ursprüngliche Anmutung des Altars, aus dem regionalen, roten Mainsandstein, wurde aber beibehalten. Die historische Altarplatte wurde erhalten, nur der Unterbau musste ersetzt werden. Die Bestandfliesen blieben weitgehend erhalten. Die kostbare Reliquie des Apostels Bartholomäus hat in einer Glasvitrine unterhalb des Altarbildes eine neue Position in der Wahlkapelle erhalten. An der Tür zum Altarraum des Doms ist ein Hochparterre aus Mainsandstein errichtet worden und soll auch als neuer Orgelstandort dienen. Die neue Beleuchtung, die je nach Nutzung unterschiedlich eingestellt werden kann, und auch die neuen Stühle im Kapellenraum, die sowohl eine Sitz- als auch eine Kniefunktionen haben, unterstreichen das zurückhaltende Erscheinungsbild der Wahlkapelle.

Bartholomäus-Doms ist Bestandteil der Dotationsvereinbarung von 1830


„Das Konsil wollte, dass die erneuerte Liturgie ,den Glanz edler Einfachheit‘ ausstrahle. Diese Gegensätze kriegt man schwer zusammen. In der mit Zurückhaltung und Respekt vor der Geschichte gerichteten Wahlkapelle des Bartholomäus-Doms ist das gelungen. Dem Patron von Stadt und Kirche, der ,ein wahrer Israelit, ein Mann ohne Falschheit‘ war, bietet sie eine würdige Stätte", sagt Stadtdekan zu Eltz.

Die Wahlkapelle innerhalb des Bartholomäus-Doms ist Bestandteil der Dotationsvereinbarung. 1830 erklärte die Freie Stadt Frankfurt, damals ein souveräner Staat, sich bereit, die Kosten für „die Kirchengebäude und Zugehörungen wie die Orgel und dergleichen fortwährend in gutem Stand [zu] halten". Das war der Beginn der Dotationsverpflichtung, die bis heute Bestand hat und in Deutschland einmalig ist. Sie umfasst den St. Bartholomäus-Dom, die Alte Nikolaikirche, das Dominikanerkloster, die Liebfrauenkirche, die St. Peterskirche, die St. Leonhardskirche, die St. Katharinenkirche und die Dreikönigskirche in Sachsenhausen. Dadurch hat die Stadt Frankfurt am Main zu ihren Innenstadtkirchen eine besondere Beziehung.